Teile und Herrsche - Max hat es nicht verstanden


Es war ganz schön was los in Bad Dürrenberg. Eigentlich sind montags immer nur jene auf der Straße, die seit Jahren für Frieden, Freiheit, Demokratie, Menschenrechte äußerst regierungskritisch demonstrieren. Am 28.04.2025 war jedoch wesentlich mehr Action auf dem Marktplatz der City.



Max Schneller, linker Antifaschist, hatte sich eine Woche zuvor ein Herz bzw. sein Smartphone gefasst, um bei eben einer dieser Montagsdemos seine Meinung zu äußern. Seiner Meinung nach sind diese Montagsdemonstranten Schwurbler, Aluhutträger und selbstverständlich grundsätzlich rechts. So ganz auf Gegenliebe stieß diese seine Meinung nicht. Dennoch hatte Max mächtig Wirbel gemacht. Und nicht nur das – er und seine Mitstreiter schickten sich an, eine Gegendemo zu organisieren. Man dürfe diesen Schwurblern nicht die Bühne überlassen.

Acht Polizeiautos und ca. 30 Polizisten waren vor Ort. Max bedankte sich bei der Polizei, dass sie für Sicherheit gesorgt hatte. Oder meinte er, dass die Polizei die linken Antifaschisten vor den Montagsdemonstranten mit Friedenstaubenfahnen und teilweise im Rollstuhl beschützt habe? Die Angst, die die linken Antifaschisten haben, muss wirklich groß sein, wenn sie meinen, so viel Polizeischutz vor meist älteren Menschen zu brauchen.

Ich hatte mich anfangs zu den Antifaschisten gesellt, um deren Reden aufzuzeichnen. Mich interessiert schon, was jene Antifaschisten zu sagen haben. Denn auch ich bin ganz klar gegen Faschismus. Das ging auch einige Minuten gut, bis die toleranten, vielfältigen, die Meinungsfreiheit liebenden und demokratischen Antifaschisten irgendwie spitzbekommen hatten, dass ich mit Regierungskritik nicht spare. Ein Ordner sprach mich an und erklärte mir, dass ich die Demo zu verlassen hätte. Ich fragte ihn, wie denn das mit dieser Vielfalt und so weiter sei. Er meinte, er wolle die Polizei holen, damit mich diese aus dem Bereich der Linken entfernt. Das hatte wohl nicht ganz geklappt. Kurze Zeit später kam eine Frau und positionierte sich vor die Kamera mit einem Schild, auf dem stand, dass alle Nazis Loser seien. Zu ihr sagte ich, dass es keinen Sinn macht, eine Demo zu veranstalten, um für Vielfalt, Toleranz und Meinungsfreiheit zu demonstrieren und sich dann so vor die Kamera zu stellen. Sie meinte, wenn dies für mich keinen Sinn mache, dann sei das eben so. Ich wechselte auf die andere Straßenseite. Der oben genannte Max begrüßte es, dass weitere Demoteilnehmer die Sicht auf die Redner mit Fahnen und Transparenten versperrten, damit die Demo gut abgeschirmt wird. Jeder möge sich seinen Teil denken.

Als Redner gesellten sich einige aus nah und fern hinzu. Bundestags- und Landtagsabgeordnete fanden sich ein. Substanziell konnte ich den Reden wenig entnehmen, außer dass Rechte, Schwurbler, Nazis und die AfD böse seien. Ein bisschen doof findet man Friedrich Merz. Man fühle sich nicht mehr sicher und das Leben werde für viele unbezahlbar. Aber mit einer AfD wäre es schlimmer, weil die AfD die Demokratie abschaffen wolle. Dass die derzeitige Situation aber genau durch jene verursacht wurde, für die die linken Antifaschisten selber demonstrieren, ist ihnen irgendwie entgangen. Ebenfalls dürfte den linken Antifaschisten entgangen sein, dass derzeit bestens aufgezeigt wird, dass es in diesem Land keine echte Demokratie gibt. Denn Wahlversprechen sind absolut nichts mehr wert. Der Wille des Wählers, des Souveräns, spielt absolut keine Rolle. Demokratie heißt Herrschaft des Volkes. Nur hat das Volk – und damit auch die linken Antifaschisten – absolut nichts zu sagen. Die AfD hat diese Zustände nicht herbeigeführt - sondern CDU/CSU, SPD, Grüne...

Ein Pfarrer aus Bad Dürrenberg sprach auch. Allerdings wiederholte er nur Plattitüden, Pauschalisierungen und Diffamierungen. Gerade als Pfarrer, so könnte man meinen, wäre es wichtig, auf alle Menschen zuzugehen. Naja, muss man als Pfarrer wohl dann doch nicht.

Als der Demonstrationszug der linken Antifaschisten wieder auf dem Marktplatz eintraf, rief eine Antifaschistin: „Ihr habt den Krieg verloren! Zwei Mal!“ Welcher Krieg das sei, teilte sie nicht mit. Warum sie mir das entgegenrief, kann ich nicht nachvollziehen. Ich hatte bisher an keinem Krieg teilgenommen.

Teile und Herrsche

Man kann konstatieren, dass es der Politik bestens gelungen ist, die einen Linken von den anderen Linken abzuspalten. Denn die meisten der Montagsdemonstranten sehen sich eigentlich als links. Sie wollen Frieden, Freiheit, Menschenrechte, Demokratie, Selbstbestimmung und so weiter. Sie sehen die Probleme im Land. Sie haben teilweise haarsträubende Erfahrungen machen müssen mit diesem „Rechtsstaat“ und deswegen sind sie so kritisch und sehen so manches anders. Die linken Antifaschisten demonstrieren aber lieber gegen diese Regierungskritiker als gegen die Regierung selbst.

Max wurde zu einem Dialog eingeladen. Max, der linke Antifaschist, lehnte diesen aber ab. Begründet hat er dies öffentlich mit seinen Vorurteilen. Bravo, Max. So geht Vielfalt, Toleranz, Miteinander, Demokratie, Meinungsfreiheit ... ähm ... genau nicht! Eventuell schaut Max mal in die Geschichtsbücher zum Thema Teile und Herrsche - Divide et impera. Das hatten die Römer damals schon wunderbar praktiziert. Geschichtsbücher sind Max und den Antifaschisten, so behaupten sie es, sehr wichtig.

Live Stream der Montagsdemonstranten

Sven aus Berlin hat mit seinem Team die Montagsdemonstranten begleitet. Dessen Livestream mit den Reden und Interviews ist auf YouTube abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=i3JDDbFyeYE


Verfasser: Michael Thurm  |  28.04.2025
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