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Der CDU-Blitzmerker Sepp Müller, der die Energiewende erst mitgetragen und jetzt als „verrückt“ erklärt hat, will Sachsen-Anhalts CDU retten


Erst Schulze als „Stabilitätsanker“ abfeiern, dann nach dem Desaster von 17,2 Prozent den Bus mit „Alles muss neu“ durchs Land fahren. 400 Jobs in Leuna weg, Energiepreise als Schuldige – und der Mann, der in Berlin mitregiert, tut plötzlich so, als hätte er das alles schon immer geahnt. Glaubwürdigkeit? Prinzipientreue? Willkommen im Kabarett der späten Einsichten.



Vom Stabilitäts-Fanboy zum Neuanfangs-Prophet – im Eiltempo

Nur wenige Tage vor der Landtagswahl am 6. September 2026 postete Sepp Müller noch stolz Sven Schulze. „Unser Ministerpräsident – Für Stabilität in unsicheren Zeiten“, stand auf dem Bild. Müller trommelte: Stabilität wählen, Zukunft sichern, CDU. Verlässlichkeit, Erfahrung, klare politische Mitte. Wirtschaftliche Stärke, sichere Arbeitsplätze, Chancen für Kinder und Enkel.

Das Ergebnis: 17,2 Prozent. Historisches Debakel. Die Fraktion schrumpfte auf 15 Abgeordnete. Schulze kündigte den Rückzug vom Landesvorsitz an. Und was macht Müller? Er kandidiert prompt selbst. „Alles muss neu.“ Bus-Tour durch Sachsen-Anhalt, Website allesmussneu.de, Slogan: „Glaubwürdigkeit beginnt dort, wo Prinzipientreue anfängt.“ Was darf Satire? Mitglieder sollen Ideen beisteuern, die Partei wieder zuhören. Rührend. Als hätte nicht genau diese Partei jahrelang regiert und die Rahmenbedingungen mitgesetzt, unter denen die Industrie gerade leidet, insolvent geht oder abwandert.

400 Jobs in Leuna – und der späte Besuch des Energie-Experten

Ende September 2026 war Müller vor Ort in den Leunawerken. Domo (bzw. die Nachfolgegesellschaft) ist endgültig insolvent, über 400 Arbeitsplätze weg. Sven Schulze (CDU) - der Mann mit den Telefonnummern - hatte mit der Landesregierung zuvor 80 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt genommen, um die Firma zu retten. „Dahinter stehen Menschen und eine ganze Region“, schrieb Sepp Müller. Im Video: Wir seien nicht mehr wettbewerbsfähig, vor allem wegen der Energiepreise.
„Wie verrückt sind wir, dass wir eigentlich dieses Frackinggas aus Amerika, was zehnmal so teuer ist, nach Deutschland kommen lassen und fragen uns nicht selbst, ob wir Gas in Deutschland nutzen wollen? Warum wollen wir aus der Kohle aussteigen, wenn wir gar keine Alternativen haben, wo wir einsteigen, weil Gaskraftwerke erst gebaut werden? Wir brauchen mehr Angebot im Markt. Und das heißt mehr Energieangebot, auch dass die Steinkohlekraftwerke wieder zurück müssen.“
Schön. Nur: Die Insolvenz-Gerüchte kursierten schon vor der Wahl. Die offizielle Meldung kam danach. Und wer trägt Verantwortung für die Energiepolitik, die CO2-Klimawandel-Panik, die genau diese Preise produziert hat? Die CDU hat die Energiewende über Jahre mitgetragen, den Kohleausstieg mitbeschlossen, den Atomausstieg nicht rückgängig gemacht, die CO2-Bepreisung und Energieabgaben nicht gesenkt oder abgeschafft, die Sanktionen gegen Russland und billige Energie mit ausgebaut und in der aktuellen schwarz-roten Koalition den Kurs fortgesetzt – mit Müller als Fraktionsvize, zuständig für Wirtschaft und Energie.

Der Mann, der plötzlich die Kohle wieder anwerfen will

Im August 2026 forderte Müller bereits, Kohlekraftwerke wieder dauerhaft laufen zu lassen, statt sie nur in Dunkelflauten zu aktivieren. Strompreise senken, teures Gas sparen – bis genug Gaskraftwerke da sind (2030/31). Der teure Emissionshandel, der zu den wirtschaftlichen Problemem führt, soll trotzdem das Klima retten. Klingt nach Verwirrung. Klingt auch nach der späten Erkenntnis, dass der ideologische Ausstieg ohne belastbare Alternativen Industriearbeitsplätze vernichtet.

Genau diese Erkenntnis kommt jetzt, nachdem in Leuna und anderswo die Lichter ausgehen und deutschlandweit weitere ausgehen werden. Die CDU hat die teuren US-LNG-Importe, die Abschaltung gesicherter Kapazitäten und die bürokratische Energiewende-Politik mitgetragen. Müller sitzt mittendrin in Berlin und entdeckt jetzt, dass „mehr Angebot“ und heimische Ressourcen (inklusive der Frage nach Fracking) nötig wären. Prinzipientreue? Oder Wahlkampf-Opportunismus nach dem eigenen Absturz?

„Alles muss neu“ – außer der eigenen Mitverantwortung

Auf allesmussneu.de heißt es, man müsse offen sagen, was schiefgelaufen ist. Die Partei habe verlernt, um Bürger zu werben, Beschlüsse verkündet statt überzeugt. Gut. Dann sagen wir es doch klar: Die Energiepolitik der letzten Jahre – von CDU forciert und in der aktuellen Regierung nicht grundlegend korrigiert – hat Standorte wie Leuna massiv unter Druck gesetzt. Hohe Preise, fehlende gesicherte Leistung, Überregulierung. Müller kritisiert jetzt die Folgen, als sei er Beobachter und nicht Mitgestalter.

Vor der Wahl noch Stabilität und Schulze. Nach der Wahl der Erneuerer mit Bus und Slogan. Vor der Wahl noch die Regierungspartei verteidigen. Nach der Wahl die Energiewende als „verrückt“ brandmarken, die man selbst mitverantwortet hat. Das ist kein Neuanfang. Das ist die klassische Blitzmerker-Nummer: Erst mitmachen, dann nach dem Desaster die Weisheit für sich beanspruchen und den Vorsitz anstreben.

Glaubwürdigkeit beginnt dort, wo Prinzipientreue anfängt. Bei Sepp Müller beginnt sie offenbar dort, wo die Umfragewerte und Arbeitsplatzverluste so peinlich werden, dass man den Kurs wechseln muss – ohne die eigene Rolle wirklich zu klären. Sachsen-Anhalts CDU soll neu werden. Mit dem Mann, der die alte Politik mitgetragen hat und jetzt den großen Aufklärer gibt. Viel Glück dabei. Die Industrie in Leuna und anderswo wird es vermutlich weniger amüsant finden.
Verfasser: АИИ  |  03.11.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
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