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Ist ein Leben ohne Angst möglich oder gar undenkbar?


Manche Menschen scheinen Angst zu brauchen wie andere Luft zum Atmen. Ohne sie wäre der Alltag plötzlich leer, die moralische Überlegenheit futsch, das Feindbild unscharf.



„Naumburg für alle“ liefert dafür ein anschauliches Beispiel. Da wird ein Post von Volker Quaschning auf Facebook weiterverbreitet, der den Sommer zum Beweis der Klimaapokalypse stilisiert: über 14.000 Hitzetote (geschätzt), Dürre, Ernteausfälle, Waldbrände, Produktivitätsverluste, volkswirtschaftliche Schäden von bis zu 42 Milliarden Euro (geschätzt) – fast ein Prozent der Wirtschaftsleistung. „So sehen die Folgen der Klimakrise aus. Wir schreddern unseren Wohlstand… Wäre jetzt nicht ein guter Zeitpunkt, mehr Tempo zu machen?“

Eine simple Gegenfrage – „Welcher Extrem-Sommer?“ – genügt, um die Maschine ins Stottern zu bringen. Als Beleg folgt ein Diagramm der Sommertemperaturen seit etwa 1760, das ab den 1940er-Jahren einen Anstieg suggeriert. Als hätte das Klima vorher in einer klimatischen Tiefkühltruhe gelegen. Die Erinnerung an die letzten 10.000 Jahre Europas wird peinlich vermieden: Frühes holozänes Klimaoptimum (ca. 8000–5000 v. Chr.) mit in Teilen Europas wärmeren Sommern als heute. Ja, "als HEUTE!!!" Holozänes Wärmeoptimum. Bronzezeitliche Warmphase. Römische Warmzeit. Mittelalterliche Klimaanomalie. Alles Phasen, in denen es regional spürbar wärmer war – ohne SUVs, ohne Kohlekraftwerke, ohne „Klimakrise“-Hashtags. Danach die Kleine Eiszeit, die uns wieder abkühlte. Das „heute“ in der Beschreibung jener frühen Warmphasen bleibt stehen wie ein unbequemer Zeuge. Reaktion von „Naumburg für alle“: Stille.

Der „Extrem-Sommer“, der keiner war – oder doch nur ein Höhlensommer mit Pausen?

Und was war mit diesem Sommer 2026? Ja, es gab Hitzewellen, besonders im Juni mit lokalen Rekorden, kurzzeitigen Spitzentemperaturen um die 41–42 Grad und anhaltender Trockenheit. Der Sommer lag insgesamt etwas über dem langjährigen Mittel. Doch gleichzeitig gab es deutliche Unterbrechungen: kühlere Phasen, Schauer, Gewitter, frische Temperaturen. Ende August hieß es mehrfach „Sommer macht Pause“ – landesweit oft unter 25 Grad, regional 17 bis 23 Grad, Wolken, Regen, Wind. Teilweise wirkte es wie ein klassischer Höhlensommer: frisch, regnerisch, unbeständig – kein Dauer-Höllenofen, der die Apokalypse beweist. Ein normaler mitteleuropäischer Sommer mit Auf und Ab, nur eben mit den üblichen medialen und ideologischen Übertreibungen.

Angst braucht keine Nuancen. Angst braucht Dramaturgie. Der aktuelle Sommer muss „extrem“ sein, sonst funktioniert die Erzählung nicht.

14.000 „Hitzetote“ – und warum sterben im kühleren Norden mehr als im Süden?

Komischerweise melden die wärmeren Südländer Europas deutlich niedrigere Zahlen. Während für Deutschland das Robert-Koch-Institut rund 14.000 hitzebedingte Todesfälle (Schätzung bis Anfang August) ausweist – ein Großteil davon in der heißen Juni-Woche –, liegen die Zahlen für Spanien bei etwa 4.500 bis 4.900 und für Italien bei Schätzungen von 5.000 bis 8.000. Frankreich liegt dazwischen. Deutschland, das klimatisch keineswegs das heißeste Land ist, führt die Statistik an. Merkwürdig, oder? Vielleicht liegt es an der Altersstruktur, an fehlender Klimatisierung, an der Art der statistischen Zuschreibung (Übersterblichkeit in heißen Wochen wird gerne pauschal der Hitze zugerechnet) – oder daran, dass die Angst-Narrative im Norden besonders pflegebedürftig sind.

Zum Vergleich: In Deutschland sterben jedes Jahr rund eine Million Menschen. Eine Million! Die angeblichen 14.000 „Hitzetoten“ sind damit ein Bruchteil der normalen Sterblichkeit – und größtenteils ältere, ohnehin vulnerable Menschen, deren Tod in heißen Wochen statistisch erfasst und der Hitze zugeordnet wird. Das relativiert die Panik erheblich, wenn man ehrlich hinschaut.

Leben am Äquator – unmöglich, weil Hitze den sofortigen Tod bringt? Oder doch nicht?

Und nun die polemische Frage, die sich logisch aufdrängt: Ist menschliches Leben rings um den Äquator überhaupt möglich? Dort herrschen dauerhaft Temperaturen, die in europäischen Hitzewellen als „tödlich“ gelten. Und trotzdem leben dort Hunderte Millionen, ja Milliarden Menschen – in Indien, Südostasien, Afrika, Südamerika. Es hat kein Massensterben eingesetzt. Keine Kontinente verödet. Wie kann das sein, wenn doch Hitze den nahezu sofortigen Hitzetod nach sich zieht?

Antwort: Menschen passen sich an. Sie bauen Häuser anders, leben anders, arbeiten zu anderen Zeiten, nutzen Schatten, Ventilation, Klimaanlagen, Kleidung und Gewohnheiten. Evolution und Kultur sind stärker als jedes Alarm-Diagramm. Wer behauptet, ein paar Grad mehr in Mitteleuropa würden den Wohlstand „schreddern“ und massenhaft Tote fordern, muss erklären, warum die tropische und subtropische Welt nicht längst ausgestorben ist. Tut er das nicht, bleibt nur Ideologie übrig.

Angst als Identitätsdroge

Die vorhergesagten Katastrophen der letzten Jahrzehnte – eisfreier Nordpol bis Jahr X, untergegangene Inselstaaten, unbewohnbare Regionen im versprochenen Tempo – sind weitgehend ausgeblieben oder massiv relativiert worden. Das hält die Angstmaschine nicht auf. Im Gegenteil: Je länger die großen Untergangsprognosen ausbleiben, desto lauter wird die moralische Keule geschwungen. Wer zweifelt, ist Klimaleugner, Rechts, Faschist oder mindestens „gegen alle“. Das Regenbogenbanner und der Kampf gegen die AfD dienen als zusätzliche Identitätsmarker: Man steht auf der richtigen Seite der Geschichte, und die Geschichte ist eine einzige Hitzewelle Richtung Hölle.

Philosophisch wird es interessant. Angst ist evolutionär nützlich – sie schützt vor echten Gefahren. Pathologische Angst hingegen erzeugt Abhängigkeiten. Sie legitimiert Herrschaft, rechtfertigt Eingriffe in Freiheit und Wohlstand und liefert ein Gefühl von Bedeutung in einer ansonsten oft banalen Existenz. Ohne die Klimaangst müsste man sich mit realen, messbaren Problemen auseinandersetzen: demografischer Wandel, Energieversorgung, Migration, Bildung, Infrastruktur. Das ist anstrengend. Die Klimaangst ist bequem. Sie hat klare Schuldige (der Westen, der Kapitalismus, die „Bremser“), klare Lösungen (mehr Tempo, mehr Verzicht, mehr Staat) und klare Feinde. Wer sie hinterfragt, stellt nicht nur Daten in Frage, sondern das Selbstbild.

Ein Leben ohne diese Angst wäre möglich. Es würde bedeuten, Temperaturreihen über Jahrhunderte und Jahrtausende ernst zu nehmen, regionale Extreme nicht zur globalen Apokalypse hochzurechnen, Anpassungsfähigkeit höher zu gewichten als Untergangsprophezeiungen und den Wohlstand nicht leichtfertig „zu schreddern“, weil ein Diagramm seit 1760 vermeintlich nach oben zeigt oder weil ein Sommer mal heiße und mal frische Phasen hatte. Es würde bedeuten, zu akzeptieren, dass das Klima sich immer verändert hat – und dass Menschen und Zivilisationen in wärmeren Perioden der Vergangenheit und in den heißesten Regionen der Gegenwart keineswegs untergegangen sind, sondern teilweise blühten.

Für manche ist das undenkbar. Die Angst ist zu sehr Teil der Identität geworden. Ohne sie bliebe nur die nüchterne Frage: Wie gehen wir vernünftig mit Wetter, Energie und Risiko um? Das klingt nach Arbeit. Und Arbeit ist anstrengender als Empörung.


Verfasser: АИИ  |  28.08.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
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