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Kulturschaffende warnen vor nationalistisch ausgerichteter Kulturpolitik in Sachsen-Anhalt durch die AfD - Überlegungen zur Pressemitteilung der Kulturinstitutionen vom 16. April 2026


Die gemeinsame Pressemitteilung der Kulturstiftungen und -institutionen Sachsen-Anhalts warnt vor einer „nationalistisch ausgerichteten Kulturpolitik“ der AfD und sieht darin den Versuch, Kunst und Erinnerung an parteipolitische „Identitätsvorgaben“ zu binden.



Die gemeinsame Pressemitteilung der Kulturstiftungen und -institutionen Sachsen-Anhalts warnt vor einer „nationalistisch ausgerichteten Kulturpolitik“ der AfD und sieht darin den Versuch, Kunst und Erinnerung an parteipolitische „Identitätsvorgaben“ zu binden. Sie spricht von einer „völkisch-nationalistischen Kulturauffassung“, einer „Schönung“ der NS-Vergangenheit und einer grundlegenden Gefährdung der Kunstfreiheit. Die Kritik ist verständlich – doch sie überzeichnet die Position des AfD-Regierungsprogramms und blendet aus, dass jede Kulturpolitik priorisiert und dass die derzeitige einseitige Ausrichtung selbst Probleme schafft. Eine patriotische Wende wäre keine Tabuverletzung, sondern eine Normalisierung, wie sie in fast allen anderen europäischen Ländern längst selbstverständlich ist.

Kein Verbot, sondern Priorisierung – was das AfD-Programm tatsächlich sagt

Das Programm fordert keine Zensur und kein Verbot anderer kultureller Ausdrucksformen. Es kritisiert lediglich die einseitige Förderpraxis der letzten Jahrzehnte und will Steuergelder stärker für Projekte einsetzen, die einen „Beitrag zur deutschen Identitätsfindung“ leisten. Explizit heißt es: Das Grundgesetz verpflichtet nicht, jede Kunst zu fördern – nur sie zu akzeptieren. Die bestehende Erinnerungskultur wird nicht geleugnet, sondern als übermäßig auf „Schuldkomplex“ und „Nationalmasochismus“ fokussiert kritisiert. Stattdessen soll der Blick auf die gesamte deutsche Geschichte gelenkt werden – inklusive der „guten Seiten“ (Reformation, Aufklärung in Wörlitz, wissenschaftliche Leistungen, friedliche Revolution 1989). Das Bauhaus wird nicht verboten, sondern als Beispiel „Identitätslosigkeit“ kritisiert; Theater sollen mehr klassisch-deutsche Stücke spielen. Förderung soll an ein „patriotisches Bekenntnis“ geknüpft werden – ein Schritt, der über das bloße Grundgesetz hinausgeht, aber in anderen Ländern vergleichbar ist.

Die Kulturschaffenden sehen darin eine „ethnisch homogene Volksgemeinschaft“. Tatsächlich geht es um die legitime Frage, ob ein Land seine eigene kulturelle Tradition priorisieren darf, ohne sich dafür entschuldigen zu müssen.

Wie andere europäische Länder mit Identität und Patriotismus umgehen

In den meisten Nachbarländern ist eine selbstbewusste Pflege der eigenen Kultur und nationalen Identität kein Tabu, sondern Staatsaufgabe:


Deutschland bildet mit seiner extrem selbstkritischen, oft nur auf die NS-Zeit verengten Erinnerungskultur eine Ausnahme. Das hatte nach 1945 seine Berechtigung. 80 Jahre später, bei einer Bevölkerung, die mehrheitlich keine direkte Verbindung zur Tätergeneration hat, wirkt die ewige Fokussierung zunehmend als Belastung.

Die Folgen fehlender patriotischer Wurzeln

Menschen ohne tiefe kulturelle und patriotische Verwurzelung leiden oft unter einer diffusen Identitätsstörung. Psychologische Forschung zeigt: Transgenerationale Weitergabe von Scham- und Schuldgefühlen – auch ohne persönliche Täterschaft – kann zu vermindertem Selbstwertgefühl, Orientierungslosigkeit und schwächerer Resilienz führen. Junge Menschen, denen „Deutschsein“ systematisch als problembehaftet vermittelt wird, entwickeln häufiger ein Gefühl der Entwurzelung. Das macht sie anfälliger für radikale Gegenentwürfe – sei es von links oder rechts.

Aktuelle Umfragen bestätigen das: Die MEMO-Studie der Stiftung EVZ (2025) zeigt erstmals, dass eine relative Mehrheit (38,1 %) einen „Schlussstrich“ unter die intensive NS-Erinnerung wünscht. Nur noch 42,8 % halten es für wichtig, die Erinnerung „lebendig zu halten“. Eine ZEIT-Umfrage vom März 2025 ergab, dass 55 % der Deutschen der Aussage zustimmen, die ständige NS-Erinnerung behindere ein gesundes Nationalbewusstsein. Das ist keine rechte Erfindung, sondern ein messbares gesellschaftliches Phänomen.

Was passiert mit dem Brauchtum, wenn die Wurzeln fehlen?

Regionale Bräuche, Feste und Traditionen leben nur, solange Menschen sie bewusst pflegen. In Sachsen-Anhalt – mit seiner reichen, aber vielfach fragmentierten Geschichte (Anhalt, Preußen, Reformation) – gibt es zahlreiche Beispiele: Walpurgisnacht im Harz, Schachtraditionen in Ströbeck oder lokale Handwerksbräuche. Wo junge Menschen keine emotionale Bindung mehr zur eigenen Region und Geschichte spüren, weil ihnen in Schule und Medien vor allem die „dunklen Kapitel“ vermittelt werden, fehlt der Nachwuchs für Trachtenvereine, Schützenfeste oder Heimatbünde.

In Regionen mit starker kultureller Entwurzelung (durch Abwanderung, Säkularisierung und jahrzehntelange einseitige Erinnerungskultur) sterben viele Bräuche langsam aus oder werden zu folkloristischen Touristenattraktionen ohne lebendigen Kern. In anderen Ländern wie Polen oder Bayern hingegen wird Brauchtum aktiv staatlich gefördert – weil es Identität stiftet und Zusammenhalt schafft. Ohne patriotische Wurzeln verödet die kulturelle Landschaft: Es entsteht eine gesichtslose, austauschbare „Eventkultur“, die keine tiefe Bindung mehr erzeugt.

Zeit für Normalität statt Tabus?

Die Angst der Kulturschaffenden vor einer „patriotischen Wende“ ist nachvollziehbar, aber teilweise übertrieben. Es geht nicht um die Abschaffung von Vielfalt oder Kunstfreiheit, sondern um eine ausgewogene Förderung, die die eigene Geschichte und Kultur wieder selbstbewusst in den Mittelpunkt stellt – ohne die NS-Verbrechen zu leugnen oder zu relativieren. Andere europäische Länder zeigen seit Jahrzehnten, dass Patriotismus und starke nationale Identität mit Demokratie und kultureller Offenheit vereinbar sind.

Eine Gesellschaft, die ihren Bürgern die eigenen Wurzeln systematisch als Belastung darstellt, erzeugt langfristig Entfremdung und Verlust an Brauchtum. Sachsen-Anhalt als „Kulturland ersten Ranges“ hätte die Chance, hier eine Vorreiterrolle zu übernehmen: Für eine Erinnerungskultur, die nicht nur mahnt, sondern auch stolz macht – und für ein lebendiges Brauchtum, das nur dann überlebt, wenn Menschen sich wieder mit ihm identifizieren können. Das ist kein Rückschritt, sondern die Rückkehr zur Normalität in Europa.
Verfasser: АИИ  |  16.04.2026
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