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Wenn die Richtigen demonstrieren, wird plötzlich fein säuberlich differenziert - die bemerkenswerte Doppelmoral im Umgang mit Protesten


Die heilige Differenzierung: Wenn linke Jugendliche randalieren, ist das „ein paar Chaoten“ – bei Corona-Protesten reichte eine Reichsflagge für den Faschismus-Vorwurf.



Während Medien und Politiker bei Gen-Z-Protesten peinlich genau zwischen „berechtigten Jugendlichen“ und „fremden Chaoten“ unterscheiden, reichte bei Corona-Demos schon eine einzige Reichsflagge – und die ganze Versammlung war „rechts“ und moralisch erledigt. Willkommen in der Doppelmoral-Republik, in der Plünderungen entschuldigt und Treppen-Selfies zum Demokratie-Angriff hochstilisiert werden.

Gen Z regelt – und plündert: Die neue heilige Trennung der Guten

Willkommen in der moralischen Waschküche der deutschen Öffentlichkeit. Am vergangenen Wochenende (31. Oktober 2026) gingen Zehntausende junge Menschen unter dem Banner „Gen Z regelt“ auf die Straße. Bessere Schulen, bezahlbarer Wohnraum, gegen Wehrpflicht, soziale Gerechtigkeit, Klimaschutz – lauter Anliegen, die man als berechtigt bezeichnen kann. Wobei das die große Politik bisher nicht interessiert hat und wohl auch weiterhin nicht interessieren wird. Abgesehen von der Klimawandelpanik, denn dadurch lassen sich wunderbar Steuereinnahmen von den Bürgern abzocken, die – welche Ironie – zu den von der Jugend kritisierten Problemen und Preissteigerungen führen. Das haben die Gen-Zs aber bisher nicht durchschaut.

Die Kundgebungen selbst liefen vielerorts weitgehend friedlich. Am Abend und in der Nacht jedoch: Plünderungen in Frankfurt (Schaufenster kaputt, Läden ausgeräumt, Molotow-Cocktails auf Polizisten), Angriffe in Köln (Flaschen, Fahrräder, Brandsätze bei Vermummten), brennende Barrikaden in Hamburg, Wasserwerfer-Einsätze, rund 100 verletzte Polizisten, Dutzende Festnahmen.

Politiker und Medien beeilen sich mit der großen Differenzierung: Das waren ja „nicht die echten Demonstranten“, sondern „autonome und zum Teil vermummte Personen“, „gewaltbereite linke Gruppen“ und „migrantische Chaoten“, die die friedlichen Proteste „gekapert“ hätten. Die Organisatoren distanzieren sich brav. Die Linke warnt vor Verbotsdrohungen und preist den „Ungehorsam“ der Jugend. Man trennt säuberlich: berechtigte Proteste hier, Randalierer dort.

Wie nobel. Wie differenziert. Wie heuchlerisch.

Man ist sehr bemüht, klein zu halten, dass der überwiegende Teil der Randalierer eben keine „ganz normalen deutschen Jugendlichen“ waren. Nach Polizeiangaben hatten rund die Hälfte keinen deutschen Pass und weitere eine doppelte Staatsangehörigkeit. Also insgesamt etwa drei Viertel mit ausländischer Staatsbürgerschaft, bzw. laut Roman Poseck, Hessischer Minister des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz, 80–90 Prozent mit Migrationshintergrund. Eine Debatte über Migration und fehlende Integration möchte man nur ungern aufmachen.

Corona-Demos: Eine Flagge genügte – und die Demokratie stand in Flammen

Erinnern wir uns an die Corona-Proteste ab 2020. Hunderttausende gingen gegen Maßnahmen, Lockdowns und Impfpflicht auf die Straße – friedlich, ohne Plünderungen, ohne flächendeckende Brandstiftung an Geschäften. Doch sobald irgendwo eine schwarze-weiß-rote Reichsflagge wehte oder ein einzelner Spinner den Hitlergruß zeigte, war die Sache klar: „rechte Demo“, „unterwandert“, „man demonstriert nicht mit Nazis“. Medien und Politik erklärten die gesamten Veranstaltungen für kontaminiert. Keine großzügige Differenzierung zwischen den vielen, die legitime Grundrechtsfragen stellten, und den paar am Rand. Stattdessen: kollektive Diffamierung. Wer dabei war, riskierte den Stempel „Covidiot“ oder „rechtsoffen“. Wasserwerfer wurden aufgefahren und eingesetzt – etwa am 18. November 2020 in Berlin vor dem Reichstag und Brandenburger Tor, weil Abstands- und Maskenregeln missachtet wurden, oder bei „Querdenken-Demos“ in Frankfurt und anderswo. Randaliert und geplündert wurde dabei nicht. Die Proteste galten trotzdem pauschal als gefährlich.

Der „Sturm auf den Reichstag“: Selfies auf der Treppe – und drei Polizisten als Superhelden

Ein Höhepunkt der Inszenierung: der sogenannte „Sturm auf den Reichstag“ am 29. August 2020. Während einer der über 100 genehmigten Demonstrationen an diesem Tag nutzten einige Hundert (Schätzungen 300–500) den Moment, überwanden Absperrungen und rannten die Treppe des Reichstags hinauf. Selfies, Reichsflaggen und viele andere Fahnen, Jubel – aber niemand wollte oder versuchte ernsthaft ins Gebäude einzudringen. Drei (später mehr) Polizisten stellten sich unbewaffnet oder mit Pfefferspray entgegen und hielten die Menge auf, bis Verstärkung kam.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfing die tapferen Polizisten und erklärte diesen Treppensturm (oder Treppenwitz?) als verabscheuungswürdig und angesichts der Geschichte dieses Ortes geradezu als unerträglich. Er sagte:
Wir dulden keine antidemokratische Hetze und keine Herabwürdigung der Bundesrepublik Deutschland am Bundestag. Rechtsextremistische Pöbeleien und Gewalt bei der Demonstration am vergangenen Samstag in Berlin haben zu recht viele Menschen erschreckt und empört. Wir werden solche Ausschreitungen nicht hinnehmen. Wer sich über die Corona-Maßnahmen ärgert oder ihre Notwendigkeit anzweifelt, kann und darf dagegen demonstrieren. Mein Verständnis endet aber dort, wo Demonstranten sich vor den Karren von Demokratiefeinden und politischen Hetzern spannen lassen. Der auf den Straßen den Schulterschluss mit Rechtsextremisten sucht, aber auch wer nur gleichgültig neben Neonazis Fremdenfeinden und Antisemiten herläuft, wer sich nicht eindeutig und aktiv abgrenzt, macht sich mit ihnen gemein.
Die Heldenverehrung war perfekt. Ein paar Treppenstufen und Flaggen wurden zum „Angriff auf die Demokratie“ stilisiert. Die friedliche Mehrheit der Demonstranten? Wegretuschiert im Narrativ der Übernahme der Proteste durch „Rechte“, „Demokratiefeinde“, „Neonazis“, denen alle anderen plötzlich hinterher laufen würden. Im Verdrehen von Tatsachen ist auch ein Bundespräsident Steinmeier offensichtlich sehr geübt.


2026: Echte Gewalt, echte Plünderungen – und plötzlich die Samthandschuhe

Jetzt, 2026, bei „Gen Z regelt“: echte Gewalt, echte Plünderungen, echte Verletzte – und plötzlich die differenzierte Brille. „Die Anliegen der Jugendlichen ernst nehmen“, „nicht die ganze Generation verurteilen“, „Chaoten von außen“. Linke Politiker verteidigen das Demonstrationsrecht vehement gegen Verbotsgedanken. Bei Corona-Demos galt: Schon der Anschein von Rechts reichte aus, um alles zu diskreditieren und Wasserwerfer rollen zu lassen. Bei linken oder „progressiven“ Jugendprotesten, die in Randale münden, gilt: Die Gewalt ist bedauerlich, aber die guten Absichten retten den Tag.

Doppelmoral als Staatsraison: Die Selektion der Empörung

Das ist keine Journalismus- oder Politik-Leistung. Das ist ideologische Selektionslogik. Eine Reichsflagge oder ein Hitlergruß-Idiot macht eine ganze Demo „rechts“ und damit moralisch erledigt. Tausende junge Leute, die nach dem Protest Läden ausräumen und Polizisten mit Brandsätzen bewerfen, bleiben „überwiegend friedlich“ mit bedauerlichen Ausreißern. Doppelmoral pur: Die einen werden kollektiv in die braune Ecke gestellt, die anderen individueller Entschuldigung zugeführt.

Man mag die Anliegen der Gen-Z-Proteste teilen oder nicht. Man mag Corona-Maßnahmen rückblickend für überzogen halten oder nicht. Aber wer bei der einen Seite peinlich genau trennt und bei der anderen pauschal vermengt, entlarvt sich selbst. Die Differenzierung ist nur dann heilig, wenn sie dem eigenen Lager nützt. In Heuchelei ist die deutsche Öffentlichkeit und Politik mit beängstigender Routine geübt.
Verfasser: Andreas Kamati  |  06.11.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
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