Die Zensuritis und Erziehung des Pöbels hört nicht auf - YouTube löscht weiterhin fleißig Inhalte
YouTube hat wieder zugeschlagen. Nicht etwa, weil im Video „WIR WOLLEN KEINE GLEICHGESCHALTETEN ZOMBIES WERDEN – Die Bürgerstimme Burgenlandkreis“ irgendetwas Verbotenes gesagt worden wäre. Nein!
Der Sündenfall ist ein schlichter Link in der Beschreibung: http://www.peterlemar.de/. Dieser Peter Lemar muss ein sehr gefährlicher Mann sein.
Das Video (siehe unten) ist samt Link seit dem 18.11.2022 online. Plötzlich sieht YouTube / Google da ein Problem.
Und Zack: Strike 1. Eine Woche Upload-Verbot, keine Beiträge, kein Livestream. Die Verwarnung bleibt 90 Tage. Wer auf die Idee kommt, den Maulkorb mit einem anderen Kanal zu umgehen, dem droht die totale Vernichtung aller Kanäle. Man kennt das Prozedere. Es ist die altbewährte Erziehungsmaßnahme aus dem Corona-Baukasten: erst die Inhalte rausnehmen, dann dem Übeltäter die Hände hinter dem Rücken festbinden, damit er ja nicht weiter spricht.
Die Begründung ist ein Meisterstück an präziser Unpräzision: „Wir glauben, dass deine Inhalte gegen unsere Richtlinien zu Spam, irreführenden Praktiken und Betrug verstoßen.“
Glauben. Nicht wissen. Nicht prüfen und feststellen. Glauben! YouTube scheint in diesen Tagen besonders fromm geworden zu sein. Man kniet vor dem eigenen Algorithmus und murmelt: „Wir glauben…“ Warum bloß glauben und nicht wissen? Weil man auf der verlinkten Seite natürlich nichts von Spam, Betrug oder „irreführenden Praktiken“ (was immer dieses Gummiparagraphen-Ungetüm bedeuten mag) findet. Die Seite ist sauber. Aber das stört den Glauben nicht. Glauben braucht keine Beweise. Glauben braucht nur Macht.
Es gibt Gerichtsurteile, aus denen hervorgeht, dass YouTube aufzeigen muss, worin genau die problematischen Inhalte bestehen. An die Verbindlichkeit dieser Gerichtsurteile scheint man bei YouTube aber wohl nicht zu glauben. Und in diesem Fall handelt es sich lediglich um einen Link zu einer Website. Ein Link ist aber nicht der Inhalt der Website. Für die Gläubigen bei YouTube ist auch das offensichtlich vollkommen irrelevant.
Man stelle sich folgendes Szenario vor: Man wird mit seinem Fahrzeug von Polizisten angehalten. Die Männer in Uniform erklären, dass sie glauben, der Aufkleber auf der Kofferraumklappe verstoße gegen die Gemeinschaftsstandards der Straße, auf der man gerade unterwegs ist. Der Führerschein wird deswegen für sieben Tage eingezogen. Wenn man möchte, kann man eine Überprüfung beantragen, um feststellen zu lassen, ob tatsächlich ein Verstoß vorliegt. Mit etwas Glück, insofern sich der Glaube nicht verhärtet hat, bekommt man den Führerschein dann ein paar Tage früher zurück. Aber Obacht: Sollten die Polizisten ein- oder zweimal erneut glauben, dass ein Aufkleber gegen die Gemeinschaftsstandards verstößt, wird der Führerschein für immer einbehalten und das Auto verschrottet.
Absurd? Nein! Bestrafe einen, erziehe Hunderte. Betrachtet man das Handeln in vielen Verwaltungen, scheint auch dort vieles eine Glaubensfrage zu sein.
Die Zensuritis hat sich ausgeweitet
Früher ging es um die Videos selbst – um die angeblich gefährlichen Gedanken, die dem Volk nicht zuzumuten seien. Heute reicht schon der bloße Hinweis auf eine Website außerhalb des heiligen YouTube-Geheges. Der Link wird zur Ansteckungsgefahr erklärt. Die Community muss geschützt werden – vor dem, was sie möglicherweise selbst nachschlagen könnte. Wie rührend. Die gleichen Leute, die monatelang jeden kritischen Satz zu Corona, Impfung und Maßnahmen als „Desinformation“ brandmarkten, betreiben jetzt Link-Exorzismus. Die Mätzchen von damals sind keine Episode. Sie sind Standardbetrieb.Man fasst sich an den Kopf. Nicht aus Überraschung – die Überraschung ist längst abgestumpft –, sondern wegen der reinen, unverdünnten Unverschämtheit, mit der hier „zum Schutz der Community“ eine Woche Sprechverbot verhängt wird. Die Community, die angeblich so schutzbedürftig ist, darf offenbar nicht selbst entscheiden, ob sie einen Link anklickt. Das erledigt lieber die Glaubensgemeinschaft hinter den Kulissen.
Und dann der fromme Nachsatz: Man könne ja Beschwerde einlegen, „wenn du denkst, dass wir einen Fehler gemacht haben“. Natürlich. Die Inquisition lädt den Ketzer höflich ein, doch bitte zu beweisen, dass er kein Ketzer sei. Währenddessen läuft die Strafe. Die Erziehung des Pöbels duldet keinen Aufschub.
Die Zensuritis hört nicht auf. Sie mutiert nur. Von der Inhaltskontrolle zur Linkkontrolle, vom Video zum gesamten digitalen Umfeld. Und immer mit demselben erhobenen Zeigefinger, demselben moralischen Pathos und derselben bequemen Formulierung: „Wir glauben…“
Glaubt nur weiter. Der Pöbel merkt es sowieso.
