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Mega-Erfolg: Steuereinnahmen sinken um 240 Millionen in Sachsen-Anhalt


Bravo, Landesregierung von Sachsen-Anhalt! Ein Meisterwerk der Verantwortungsübertragung!



Ach, wie herrlich ist doch diese Pressemitteilung der Staatskanzlei und des Ministeriums für Kultur vom 12. Mai 2026. Endlich mal Klartext – oder besser: endlich mal die perfekte Kunst der Ausrede, verpackt in seriöse Prognosen. Der Arbeitskreis Steuerschätzungen hat gesprochen, und was er sagt, ist Musik in den Ohren jeder verantwortungsbewussten Landesregierung: Es wird weniger Geld geben. Rund 240 Millionen Euro weniger für 2026 im Landeshaushalt, weitere 260 Millionen pro Jahr in 2027 und 2028. Die Gemeinden dürfen sich ebenfalls über Minusse von 29 bis 37 Millionen freuen. Wunderbar!

Wie klug, wie vorausschauend, wie genial die Landesregierung doch agiert. Denn zum Glück – und das betont man zwischen den Zeilen mit der Inbrunst eines Chorknaben – kann sie dafür rein gar nichts. Die bösen externen Faktoren sind schuld: der Krieg im Nahen Osten, eingetrübte weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen, gestiegene Energiepreise. Die erwartete Erholung fällt aus. Schade, schade. Aber hey, die Schuldenbremse erlaubt Kredite. Temporär natürlich nur. Bis die Erholung kommt. Die ja gerade nicht kommt. Aber temporär! Genial.

Man könnte fast meinen, die letzten Jahre hätten gezeigt, dass Steuereinnahmen in Sachsen-Anhalt eigentlich ein robustes Wachstum kannten – bis die Realität zugeschlagen hat. Frühere Schätzungen (etwa im Herbst 2025) gingen noch von deutlichen Plus-Erwartungen aus, mit Rekordniveaus um die 10,4 Milliarden Euro für 2026. Nun die Korrektur nach unten. Aber keine Sorge: Das Land hat ja ein Ausgabeproblem, kein Einnahmeproblem, wie Kritiker schon länger murmeln. Die Ausgaben sind seit 2019 kräftig gestiegen, während die Einnahmen mal wieder den Launen der Weltgeschichte folgen.

Hut ab vor dieser Demut! Die Landesregierung sieht sich selbst als das, was sie offenbar ist: ein verlängerter Arm, ein braver Handlanger der Bundespolitik. Und das ist ja auch so beruhigend. Denn man könnte theoretisch – nur theoretisch – Druck auf die Bundesregierung ausüben, damit diese sich endlich ernsthaft dafür einsetzt, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Damit aus Russland wieder günstigere Energie fließt, die Industrie atmet, die Preise sinken und die Steuerbasis wächst. Aber nein. Das würde ja voraussetzen, dass man in Magdeburg seine Aufgabe darin sieht, den Menschen in Sachsen-Anhalt optimale Lebens- und Arbeitsbedingungen zu schaffen. Stattdessen: Schulterzucken. Weltpolitik. Schicksal. Energiepreise. Alles sehr tragisch. Sehr unvermeidbar. Sehr nicht unser Bier.

Finanzminister Michael Richter formuliert es dann noch einmal meisterhaft: Die strukturellen Rahmenbedingungen müssten verbessert werden, das weltpolitische Umfeld sei kein Grund, Reformen zu verschieben. Richtig so! Externe Belastungen zeigen, wie notwendig Stärkung des Standorts ist. Nur: Wer genau soll das machen? Die da oben in Berlin? Die Weltgemeinschaft? Das Schicksal? Auf keinen Fall die Landesregierung selbst, die sich ja tapfer als ohnmächtiger Beobachter inszeniert.

Wie erfrischend ehrlich. Während Bürger und Unternehmen mit höheren Energiepreisen, Inflation und Standortnachteilen kämpfen, während die Konjunktur lahmt und die Steuerbasis bröckelt, präsentiert man uns die Nachricht wie eine unvermeidbare Naturkatastrophe. Tsunami? Erdbeben? Nein, nur die Folgen von Politik, die man selbst mitzutragen und zu beeinflussen versäumt hat. Aber zum Glück: Nicht unsere Schuld. Die Kredite sind ja nur temporär. Die Tilgung kommt mit der Erholung. Die nie kommt.

Stehende Ovationen für diese Regierung. Sie hat es geschafft, aus sinkenden Einnahmen eine Bestätigung ihrer eigenen Handlungsunfähigkeit zu machen. Ein Kunststück. Ein Meisterwerk der politischen Alchemie: Aus Verantwortung wird Schicksal, aus Versagen wird externe Belastung, aus Steuerminus wird Appell an "die da oben".

Die Menschen in Sachsen-Anhalt dürfen sich derweil auf engere Spielräume, mögliche Leistungskürzungen und weiter steigende Schulden freuen. Aber hey – wenigstens ist die Pressemitteilung gut formuliert. Und das ist ja die Hauptsache.

Weiter so, liebe Landesregierung. Die Welt ist schuld. Ihr seid nur die Zuschauer. Brillant.

Die Pressemitteilung vom 12.05.2026

Ergebnisse der Steuerschätzung vom Mai 2026/ Geringere Einnahmeerwartungen in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld
12.05.2026, Magdeburg – 263/2026
Staatskanzlei und Ministerium für Kultur

Der Arbeitskreis Steuerschätzungen erwartet eine schwächere Entwicklung der gesamtstaatlichen Steuereinnahmen. Ursächlich hierfür sind vor allem die infolge des Krieges im Nahen Osten eingetrübten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und gestiegenen Energiepreise. Diese Faktoren haben jüngst zu einer Korrektur der Wachstumsaussichten für Deutschland geführt: Die bislang erwartete wirtschaftliche Erholung dürfte angesichts der globalen Unsicherheiten geringer ausfallen als bisher angenommen.

Die verhaltene konjunkturelle Entwicklung schlägt sich auch in den Einnahmen der öffentlichen Haushalte nieder. Für den Landeshaushalt Sachsen-Anhalts wird für das Jahr 2026 ein Aufkommen aus Steuern und Bundesergänzungszuweisungen prognostiziert, das rd. 240 Mio. Euro unter den im Oktober 2025 geschätzten Werten liegt. Für die Jahre 2027 und 2028 wird jeweils ein Einnahmerückgang von rd. 260 Mio. Euro erwartet. Auch die Gemeinden in Sachsen-Anhalt müssen mit geringeren Steuereinnahmen rechnen. Für das Jahr 2026 wird ein Minus von 29 Mio. Euro prognostiziert, für 2027 ein Rückgang von 34 Mio. Euro und für 2028 von 37 Mio. Euro.

Auf den Haushaltsvollzug im laufenden Jahr haben die geringeren Einnahmeerwartungen keine unmittelbaren Auswirkungen. Die Schuldenbremse erlaubt, die überwiegend konjunkturell bedingten Mindereinnahmen durch Kreditaufnahmen auszugleichen. Diese erhöhen den Schuldenstand des Landes allerdings nur temporär, da die aufgenommenen Kredite mit einer einsetzenden wirtschaftlichen Erholung wieder zu tilgen sind. Mittelfristig schränkt die prognostizierte Verschlechterung der Einnahmesituation die finanziellen Spielräume für das Land allerdings ein.

Finanzminister Michael Richter:
„Die Zahlen der jüngsten Steuerschätzung zeigen, dass die strukturellen Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Wachstum in Deutschland dringend verbessert werden müssen. Das aktuelle weltpolitische Umfeld darf kein Grund sein, Reformen zu verschieben. Die externen Belastungen zeigen vielmehr, wie notwendig eine strukturelle Stärkung des Wirtschaftsstandortes ist. Sonst wird es uns nicht gelingen, staatliche Ausgaben im bisherigen Umfang dauerhaft zu finanzieren.“
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