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Selbstreinigende Straßen - Hohenmölsen testet ein revolutionäres KonzeptInnovationen müssen nicht immer aus hochmodernen Laboren kommen, und sie müssen auch keine Domäne großer Metropolen sein. Auch im ländlichen Raum können neue Konzepte erprobt werden – manchmal sogar unter besonders pragmatischen Bedingungen.
Ein ungewöhnliches TestgeländeDas derzeit in Hohenmölsen getestete Konzept sind selbstreinigende Straßen. Angesichts knapper Kassen in den städtischen Haushalten ist dies ein Thema, das vor allem die Verwaltung interessieren dürfte – immerhin geht es darum, Kosten zu sparen.Als Testgelände dient ein Areal neben dem Agricolagymnasium in Hohenmölsen. Ursprünglich sollten dort Einfamilienhäuser entstehen, doch da die Grundstückspreise nicht gerade günstig sind, fanden sich bislang keine Bauherren. Und genau deshalb eignet sich das Gelände hervorragend für dieses Experiment: Neue asphaltierte Straßen, Laternen, naturbelassene Grünpflanzen. Es besteht keine Gefahr, dass Anwohner eingreifen und damit ein aussagekräftiges Endergebnis verhindern. Der TestaufbauDer Aufbau des Tests ist vergleichsweise simpel: Ausgebrannte Raketenbatterien wurden nach Silvester einfach liegen gelassen. Ziel ist es, zu beobachten, wie Regen, Schnee, Eis, Sonne, Wind und Wetter auf diese Rückstände – meist aus dickem Papier – wirken.
Die Fragen sind klar: Wie lange dauert es, bis Verwitterungsprozesse einsetzen? Wann zerfallen die Bestandteile zu kleineren Fragmenten? Und wie lange dauert es, bis diese so zerkleinert sind, dass sie vom Wind davongetragen und in der Umgebung gleichmäßig verteilt werden? Naturwissenschaft zum AnfassenDie Schülerinnen und Schüler des Agricolagymnasiums haben dadurch die Möglichkeit, Biologie, Chemie und Physik jeden Tag live in der Natur zu erleben. Sie können regelmäßig protokollieren, wie weit der Prozess der Selbstreinigung zu einem bestimmten Zeitpunkt fortgeschritten ist.
Wer sich also wundert, warum die Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die täglich im VW Caddy ihre Runden durch die Stadt drehen, noch nicht zu Schaufel und Müllsack gegriffen haben, der hat nun die Antwort: Es soll geprüft werden, ob der Einsatz von Stadtreinigungspersonal überhaupt nötig ist, wenn die Natur die Rückstände ohnehin innerhalb von 10 bis 12 Monaten beseitigt. Mikroplastik und weitere ExperimenteZusätzlich führen die Schülerinnen und Schüler einen zweiten Test durch: Auf der Wegstrecke vom Fußgängerüberweg zum Agricolagymnasium sowie auf dem Gelände selbst wurden durch die Kinder und Jugendlichen verschiedenste Verpackungsmaterialien verteilt. Jeden Tag protokollieren sie, welche Materialien wie lange brauchen, um für das menschliche Auge unsichtbar zu werden – und teilweise in Form von Mikroplastik in die Nahrungskette zu gelangen. Die Lehrkräfte, die jeden Tag diesen Weg nehmen, können die Protokollergebnisse der Schüler mit dem Zustand der Materialien auf den Grünflächen und Wegen abgleichen.Insgesamt also ein spannendes Experiment, das durchaus zeigt, wie praxisnah Unterricht sein kann. AusblickWir dürfen also gespannt sein, wie sich das Konzept der selbstreinigenden Straßen weiterentwickelt – und wie weit es in absehbarer Zeit vielleicht sogar in anderen Städten umgesetzt werden könnte.Unterstützung für weiteres Projekt gesuchtMan muss es ja nicht bei Verpackungsmaterial und Ähnlichem belassen, um zu lernen, wie die Natur auf die menschlichen Hinterlassenschaften einwirkt. Vielleicht hat jemand ein altes Auto, das auf dem Schulgelände abgestellt werden kann. So können die Schülerinnen und Schüler erfahren, wie es sich zum Beispiel mit Altöl und den vielen Kunststoffen, die in PKWs verbaut sind, verhält. Und wie lange benötigt der Rost, um die Metallstruktur in so kleine Bestandteile zu zerlegen, dass auch diese durch Wind und Wetter gleichmäßig in der Umgebung verteilt werden?Wenn jemand ein E-Auto bereitstellen kann, könnte sogar protokolliert werden, welche chemischen Substanzen nach welcher Zeit aus den Batterien entweichen. Melden Sie sich einfach bei der Schulleitung des Agricolagymnasiums und verweisen Sie auf diesen Artikel. Verfasser: Maximus Polemikus | 21.02.2026 |
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