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Weihnachten zwischen Bomben und Hoffnung - das letzte Fest im Krieg


Wie feiert man Weihnachten, wenn der Krieg vor der Haustür steht und nichts mehr selbstverständlich ist? Ortschronist Volker Thurm erzählt von bewegenden, überraschenden und bitteren Momenten des letzten Weihnachtsfests im Zweiten Weltkrieg in der Zeitzer Region.


Weihnachten gilt als Fest der Familie, der Wärme und der Geborgenheit. Doch was bleibt davon, wenn der Krieg alles überschattet? In seinem Video „Das letzte Weihnachten im Krieg 1944“ nimmt Volker Thurm, Ortschronist aus Kayna, die Zuschauer mit in eine Zeit, in der Weihnachten kaum noch ein Fest, sondern vielmehr ein stiller Akt des Durchhaltens war.

Anhand eindringlicher Erinnerungen von Zeitzeugen zeichnet Thurm das Bild eines Winters, in dem Väter, Brüder und selbst Jugendliche an der Front oder kurz davor standen, eingezogen zu werden. Jeder Heimaturlaub war kostbar, manchmal nur für wenige Stunden – und doch bedeutete er alles. Die Nähe zur Front, die ständige Angst vor Luftangriffen und die allgegenwärtige Kälte prägten diese Tage.

Besonders eindrucksvoll sind die kleinen Details, die zeigen, wie erfinderisch die Menschen sein mussten: Kinder sammelten scheinbar Wertloses, um daraus Weihnachtsschmuck zu machen, Familien suchten im Wald nach Bäumen, und Geschenke bestanden oft aus Dingen, die heute niemand mehr unter den Weihnachtsbaum legen würde. Gerade diese scheinbaren Nebensächlichkeiten machen die Erzählungen so eindringlich.

Volker Thurm berichtet nicht nüchtern, sondern mit Respekt und Nähe zu den Menschen, die ihm ihre Erinnerungen anvertraut haben. Seine Geschichten sind mal nachdenklich, mal erstaunlich, manchmal auch von einer leisen, bitteren Ironie durchzogen – und sie zeigen eindrucksvoll, warum viele Zeitzeugen sagen: Wer den Krieg erlebt hat, weiß den Frieden wirklich zu schätzen.

Wie genau dieses letzte Kriegsweihnachten aussah, welche ungewöhnlichen Traditionen entstanden und welche Momente sich unauslöschlich ins Gedächtnis eingebrannt haben, erzählt das Video selbst. Wer verstehen will, was Verzicht, Angst und Hoffnung in einer einzigen Weihnachtsnacht bedeuten konnten, sollte unbedingt hineinschauen.

Weihnachten während des Krieges – Zeitzeugenbericht
Weihnachten während des Krieges war eine ganz besondere Zeit. Viele ältere Menschen sagen rückblickend, dass man so etwas nicht noch einmal erleben müsse. Ein Mann aus Neuposa brachte es einmal auf den Punkt: Nur wer einen Krieg selbst miterlebt hat, weiß den Frieden wirklich zu schätzen.

So erzählte er mir, wie Weihnachten im letzten Kriegsjahr 1944/45 ablief. Weihnachten war damals alles andere als selbstverständlich. Väter und Großväter waren im Krieg, ebenso viele ältere Geschwister. Schon das letzte Aufgebot wurde vorbereitet: 16-, 17- und 18-jährige Schüler und Lehrlinge wurden eingezogen, etwa als Flak- oder Marinehelfer. Es mangelte überall an jungen Männern.

Trotzdem stand Weihnachten vor der Tür. Einige Frontsoldaten sowie Luftwaffen- und Marinehelfer hatten das Glück, Weihnachtsurlaub zu bekommen – oft nur für ein oder zwei Tage. Da sich die Front von Osten und Westen immer weiter näherte, waren die Wege mit der Reichsbahn nicht mehr so weit. Jede Gelegenheit wurde genutzt, um noch einmal nach Hause zu kommen.

Kam ein Frontsoldat über Weihnachten heim, wurde alles aufgetischt, was man irgendwie auftreiben konnte – auch wenn es kaum etwas gab. Gleichzeitig gehörten Luftangriffe zum Alltag. Tagsüber flogen meist amerikanische Bomber, nachts die Engländer. Um das deutsche Radar zu stören, warfen sie Aluminiumstreifen ab. Diese ließen die Bomberverbände für die Luftabwehr verschwinden und sorgten für große Verwirrung.

Nach den Angriffen liefen viele Kinder hinaus und suchten nach Bomben- und Flaksplittern, die teilweise noch heiß waren. Ein Zeitzeuge erzählte, dass er sich dabei die Finger verbrannte. Als er weinend nach Hause kam, bekam er statt Trost eine Tracht Prügel – aus Angst, weil er sich während des Alarms draußen herumgetrieben hatte.

Auch die abgeworfenen Aluminiumstreifen wurden gesammelt. Auf einer Seite war Papier, auf der anderen glänzendes Silber. Das Papier wurde eingeweicht und abgezogen, das restliche Material diente als Lametta für den Weihnachtsbaum. Weihnachtsbäume konnte man kaum kaufen, also ging man mit Axt oder Säge in den Wald, suchte sich einen Baum aus und schmückte ihn notdürftig mit Äpfeln, Nüssen und dem improvisierten Lametta.

Geschenke waren selten und sehr einfach. Häufig handelte es sich um selbstgemachte oder getauschte Dinge. Russische Kriegsgefangene, die als Hilfswillige dienten, fertigten unter anderem Ringe aus Silbermünzen an. Diese tauschten sie gegen Kunsthonig, aus dem sie wiederum Wodka herstellten. Der selbstgebrannte Schnaps war so gut, dass auch deutsche Soldaten gern davon tranken – besonders, weil das Kriegsweihnachten bitterkalt war.

Im Januar 1945 herrschten Temperaturen von bis zu minus 33 Grad. Flüchtlinge aus Breslau berichteten, dass sie die Stadt verlassen mussten, weil sie zur Festung erklärt worden war. Ohne Nahrung und Heizmaterial hätte man dort nicht überlebt. Jedes Stück Holz, sogar Laub, wurde verbrannt, um wenigstens etwas Wärme zu haben.

Trotz allem versuchte man, den Kindern eine kleine Freude zu machen. Lehrlinge aus den Gustloffwerken, der heutigen Gießerei, stellten Spielzeug her. Ein Zeitzeuge bekam einen Pferdewagen mit zwei Pferden und sogar eine kleine Kanone, mit der man schießen konnte – sehr zum Missfallen der Mutter.

An den Feiertagen gab es meist nur einfache Mahlzeiten, oft Klöße mit Rotkraut. Am zweiten Weihnachtstag lebten fast alle von den Resten des Vortags – sofern überhaupt noch etwas übrig war. Es war ein sehr bescheidenes Weihnachten, eines, das niemand noch einmal erleben möchte.


Verfasser: АИИ  |  25.12.2025

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