Reiner Haseloff tritt ab - »Geh du mal arbeiten« war wohl doch nur für andere gemeint
Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, kündigt an, bei der Landtagswahl 2026 nicht mehr anzutreten.
Nach dann 15 Jahren im Amt ist für den CDU-Politiker Schluss – mit dann 72 Jahren zieht er sich zurück. Und das ausgerechnet in einer Zeit, in der seine eigene Partei das Renteneintrittsalter immer weiter nach oben schieben will. Arbeiten bis 70? Für Haseloff offenbar nur eine Forderung an die anderen.
Man erinnere sich an einen besonders denkwürdigen Moment im Januar 2024: Im Hochwassergebiet pöbelte ein frustrierter Bürger, woraufhin Haseloff ihm lautstark entgegnete: „Geh du mal arbeiten!“ Ein Satz, der nicht nur arrogant klang, sondern auch ein bemerkenswertes Maß an Überheblichkeit offenlegte. Dass genau dieser Mann nun zwei Jahre später den eigenen Hut nimmt, anstatt „noch ein bisschen mit anzupacken“, wirkt – freundlich gesagt – widersprüchlich. Oder deutlicher: doppelbödig und verlogen.
Denn was gilt denn nun, Herr Haseloff? Arbeiten bis zur letzten Patrone – oder doch lieber der frühe Ruhestand auf Steuerzahlerkosten? Während Handwerker, Kassiererinnen und Pflegekräfte sich auf noch mehr Jahre im Job einstellen müssen, darf ein CDU-Mann sich mit 72 zurückziehen – mit großzügiger Altersversorgung, versteht sich. Offenbar endet das Leistungsprinzip an der Bürotür des Landtags.
Und auch inhaltlich hinterlässt Haseloff wenig Glanz. Unter seiner Führung war Sachsen-Anhalt regelmäßig Spitzenreiter in Negativstatistiken: Armutsgefährdung, Lehrermangel, Abwanderung. Doch all das wird nun dem Nachfolger CDU-Landeschef Sven Schulze überlassen, vermutlich mit einem väterlichen Nicken und der Devise: „Jetzt du mal arbeiten.“
