Wie wärt ihr im Krieg? - Friedensdemo am 18.06.2025 in Weissenfels
Ein nachdenklicher Blick zurück auf Corona – und eine drängende Frage an uns alle: Wie würdet ihr im Krieg handeln?
Hey Nachbarn, Freunde und Kollegen,
Bekannte, Verwandte und Vereinsmitglieder –
wir haben noch nicht über Corona gesprochen.
Ich dachte, ich könnte es vergessen, wie ihr wart.
Doch nun legt sich in mir eine Spannung an,
die auf die Zukunft verweist.
Merz gibt die Waffen frei,
Russland nimmt Berlin ins Visier.
Und während wir zusammen Alltag spielen,
steht der Krieg schon vor der Tür.
Und da überfällt mich das Erinnern,
an euer Ausschließen, Denunzieren und Hetzen,
das Abstand-Erhöhen und Kontakt-Verringern,
an das arrogante Mäulerzerfetzen.
Und ich frage mich: Wie wärt ihr im Krieg?
Wir sprachen noch nie über die Wunden,
die Corona in unsere Beziehungen schlug,
nur ein bisschen über eure Einsicht,
die Maßnahmen waren wohl doch nicht so klug.
Doch man wusste es nicht besser,
folgte erst mal, machte mit Tag für Tag,
wie Diederich Heßling, der Befehlsempfänger –
nur ohne Hackenschlag.
Ich will ja keine Reuegesten
oder Asche auf Häuptern seh’n,
aber ein Gespräch über die Art, wie wir
in der nächsten Krise miteinander umgeh’n.
Denn was geschah, das war gewaltvoll,
wenn man es sehen will.
Wir können das nicht einfach vergessen
und aus uns löschen, zurückhaltend und still.
Wir müssen da mal drüber reden.
Und ich frage mich:
Wie wärt ihr im Krieg?
Wie würdet ihr euch gegenüber mir verhalten,
wenn ihr lest, dass ich gegen Waffen bin?
Wenn ich laut und deutlich sage:
„Dafür halt ich meinen Kopf nicht hin“?
Was tut ihr, wenn ihr mich demonstrierend
mit einem Pappschild auf der Straße seht,
auf dem in großen schwarzen Lettern
der verzweifelte Ausspruch „Nie wieder“ steht?
Und wenn ihr eure Kinder losschickt –
weil’s eben sein muss – los an die Front
und ich die meinen gut verstecke?
Klagt ihr mich an, ich sei unsolidarisch,
weil ich sie nicht hergeben will,
geht ihr sie suchen, liefert ihr sie aus –
denn es ist nun mal Befehl?
Wie wärt ihr im Krieg, das frage ich mich
nun schon seit einigen Tagen.
Wärt ihr wieder dabei, ganz unkritisch,
ohne nachzufragen?
Würdet ihr wieder gegen Herz und Verstand,
wie Heßling folgen, Schritt für Schritt;
oder für Familie und Land diesmal sagen:
„Ich mach da nicht mit“?
Ich frage mich, wie wärt ihr im Krieg
und fürchte die Antwort doch sehr.
Denn auch im Krieg ist jeder das,
was er gerne wär.
