CDU-Panik-Desinformationen: Schulzes Wasserstoff-Märchen und der grammatikalische Job-Killer
Während die AfD in den Umfragen bei über 40 Prozent liegt und Sven Schulze (CDU) als Ministerpräsident und Spitzenkandidat für den 6. September 2026 um seine Haut kämpft, greift die CDU zum klassischen Mittel der Verzweiflung: Angst, Übertreibung und halbgarer Desinformation.
Am 5. August 2026 postete Schulze eine Grafik, die behauptet, die AfD „schalte“ Jobs in Leuna ab, weil sie Windkraft und grünen Wasserstoff kritisch sehe. Der größte geschlossene Chemiestandort Deutschlands baue seine Zukunft auf Wasserstoff aus Bad Lauchstädt – wer dagegen sei, vernichte Beschäftigung. „Man kann gegen alles sein. Bezahlt wird davon niemand.“ Und: „So regiert Sachsen-Anhalt. CDU, die Sachsen-Anhalt-Partei.“
Klingt dramatisch. Ist es auch – nur leider vor allem als Lehrstück für CDU-Panikrhetorik. Die Partei, die mit Ursula von der Leyen an der Spitze der EU-Kommission gerne gegen „Desinformationen“ wettert, liefert hier selbst ein Paradebeispiel.
Grammatik-Gau und der Mehrfach-Job-Mythos
Schon der Slogan „Die AfD schaltet deine Jobs ab“ ist peinlich. „Schaltet deine Jobs ab“ – Imperativ Singular bei Plural-Jobs – klingt, als hätte jemand eine müde Werbeagentur ohne Korrekturlektorat bemüht. Oder geht man in den Reihen der CDU davon aus, die Menschen inzwischen mehrere Jobs hätten, weil ein Job zum Überleben nicht reicht?
Wahrscheinlicher ist schlicht handwerkliches Versagen: Die CDU will den Eindruck erwecken, die AfD drehe den Menschen den Hahn ab. In Wahrheit dreht sie selbst an der Wahrheits-Schraube.
Wasserstoff-Hype trifft auf globale Realität: Teuer, unwirtschaftlich, abgesagt
Schulzes Behauptung unterschlägt systematisch die ernüchternde Bilanz des grünen Wasserstoffs weltweit. Grüner Wasserstoff (per Elektrolyse mit Ökostrom) kostet oft 5–10 Euro pro Kilogramm – grau (aus Erdgas) 1–2 Euro. Ohne massive Subventionen und fest zugesagte Abnehmer bleibt er ein teures Experiment. Die Folge: Ein globales Sterben von Projekten.Beispiele:
- ArcelorMittal in Deutschland: Pläne zur Umstellung der Werke Bremen und Eisenhüttenstadt auf grünen Wasserstoff gestoppt – trotz 1,3 Milliarden Euro zugesagter Subventionen. Zu teuer, zu unsichere Märkte, billiger Importstahl.
- BP: Rückzug aus Großprojekten in Australien (Australian Renewable Energy Hub), Oman (Duqm) und Großbritannien (H2Teesside). Milliardenpläne ad acta.
- Shell und Equinor: Projekte in Norwegen wegen mangelnder Nachfrage abgesagt.
- Iberdrola und Repsol (Spanien): Ziele drastisch zusammengestrichen (Iberdrola um fast zwei Drittel, Repsol um bis zu 63 Prozent).
- LEAG in Ostdeutschland: Pläne für eines der größten grünen Energie-Hubs auf unbestimmte Zeit verschoben.
- Weitere: Fortescue, Air Products, Origin Energy und Dutzende mehr. Allein 2025 wurden rund 60 große Projekte gestrichen oder pausiert – Kapazität von etwa 4,9 Millionen Tonnen pro Jahr. In Deutschland verfehlt man die eigenen 2030-Ziele krachend; viele Vorhaben liegen auf Eis oder wurden abgesagt, weil die Kosten explodierten und Abnehmer fehlten.
Die Angst des Verlierers
Schulzes Post ist ein klassisches Stück politischer Abwehr. Die CDU in Sachsen-Anhalt steht unter extremen Druck: AfD vorn, eigene Werte im Keller. Statt über hohe Energiekosten, Bürokratie, Kriegstreiberei, verfehlte EU-Politik oder die reale (Un-)Wirtschaftlichkeit der eigenen Transformationsversprechen zu sprechen, wird die Opposition zum Job-Killer stilisiert. Das ist Projektion: Die eigenen Risiken (teure, subventionsabhängige Projekte, die weltweit reihenweise scheitern) werden auf den politischen Gegner abgeladen.Psychologisch wirkt es wie die Strategie des bedrängten Patriarchen: „Wir wissen, was gut für euch ist. Die anderen zerstören eure Zukunft.“ Die paternalistische Note („CDU, die Sachsen-Anhalt-Partei“) soll Zugehörigkeit und Kompetenz suggerieren, während gleichzeitig Angst geschürt wird. Der grammatikalische Patzer und die Vereinfachung („ohne Windkraft verliert Leuna Arbeit und du Geld“) verraten Hektik und mangelnde Substanz. Es ist Wahlkampf im Krisenmodus: Fakten werden selektiv, Risiken ausgeblendet, die eigene Verantwortung für die Rahmenbedingungen (Energiepreise, Förderchaos) ignoriert.
Die CDU, die Desinformation bekämpfen will, liefert hier selbst eine: Die logische Folge des AfD-Programms sei Jobverlust – obwohl die AfD-Kritik an unwirtschaftlichen Teilen der Energiewende international von der Realität bestätigt wird.
Sven Schulze und die CDU vermitteln mit diesem Panik-Post erneut den Eindruck, dass sie die Kontrolle verloren haben.
