Sie pissen auf die Pflegekräfte - und das Volk dreht sich einfach um
Während Experten, Gewerkschaften und Pflegeverbände verzweifelt warnen, walzt die Regierung die PPR 2.0 einfach platt – über die Köpfe der größten Berufsgruppe im Gesundheitswesen hinweg. Jenny Kuhnerts verzweifelter Wutschrei geht viral. Doch die bittere Wahrheit lautet: Es ist nicht nur die Politik. Es ist unser Schweigen, unser Egoismus, unser „Mich betrifft’s ja noch nicht“.
Das Armutszeugnis einer abgehobenen Kaste – und die feige Schweigsamkeit eines Volkes
„Ich bin wütend. Nicht nur unendlich enttäuscht. Sondern verdammt wütend.“ So beginnt Jenny Kuhnert ihren Post vom 11.07.2026. Und sie hat jedes Recht dazu. Nicht, weil eine Regierung Entscheidungen trifft, sondern weil diese Regierung Entscheidungen über die Pflege trifft, obwohl seit Monaten alle Experten, Verbände und Betroffenen die verheerenden Folgen aufgezeigt haben.Der Deutsche Pflegerat, der DBfK, ver.di, der Bochumer Bund, Berufsverbände, Gewerkschaften, Pflegeexperten – alle haben Stellungnahmen veröffentlicht, alle haben gewarnt. „Und es war offenbar völlig egal.“ Die Aussetzung von Personaluntergrenzen, die Abschaffung der PPR 2.0 als Grundlage der Personalbemessung, weitere Eingriffe in ein System, das längst am Limit arbeitet. Über die Köpfe der größten Profession im Gesundheitswesen hinweg.
Im Video sagt Kuhnert klipp und klar: „Es war für die Koalition und für die Bundesregierung unfassbar einfach, Dinge zu beschließen, die uns als Pflegeprofession betreffen. Unsere Grundlage einfach wegzunehmen. [...] Es war vollkommen wurscht, was der deutsche Pflegerat gesagt hat. Es war vollkommen egal, wie sich Pflegekammern positioniert haben. [...] Die Bundesregierung macht es einfach. Einfach so. Über unsere Köpfe hinweg.“
Das ist kein Versehen. Das ist ein weiteres Signal: Eure Expertise zählt nicht. Ihr dürft funktionieren und euch kaputtarbeiten, aber mitreden? Fehlanzeige. Ein Armutszeugnis für den Stellenwert professioneller Pflege in diesem Land.
Nicht nur ein Problem der Pflege – ein Problem für uns alle
Kuhnert hat recht: Das betrifft nicht nur Pflegekräfte. Es betrifft jeden, der irgendwann Patient wird. Jedes Kind. Jede Familie. Jeden Angehörigen. Wer heute schweigt, darf sich morgen nicht wundern, wenn die Versorgung zusammenbricht. Im Kommentar schreibt Caroline Hintzen erschütternd: „Es betrifft vor allen Dingen schwerst Kranke, wie mich. Ich bin mit ME/CFS hausgebunden, habe keine medizinische Versorgung. Wie sollen Menschen, die schwer krank sind demonstrieren? Und Menschen, die nicht auf medizinische Versorgung angewiesen sind, interessiert es schlicht nicht, solange sie nicht selbst betroffen sind! Sie bedauern einen und schauen weg.“Andere Kommentare sprechen von steigenden Anträgen auf Suizidassistenz, von Egoismus, Isolation und dem Fehlen von Solidarität. Eine Nutzerin: „Erst verschwinden die sogenannten Freunde - doch erst isolieren sie einen Stück für Stück.“ Eine andere: „50% Aufschlag zur Medikamentenzuzahlung, da können sich Millionen Menschen ihre benötigten Medikamente gar nicht mehr leisten. Also werden sie schneller sterben und man spart Krankenkosten und die Rente.“ Das ist kein Kollateralschaden. Das ist System.
Demokratie? Von wegen!
Entscheidungen einer Regierung bedeuten nicht automatisch Demokratie, auch wenn Jenny Kuhnert wohl dieser Auffassung zu sein scheint. Demokratie heißt Herrschaft des Volkes – nicht Herrschaft einer abgehobenen Politkaste über das Volk. Die Politiker sind Angestellte des Volkes, bezahlt von unseren Steuern, gewählt, um unsere Interessen zu vertreten. Stattdessen benehmen sie sich wie Beherrscher, die über Expertenwissen, Warnungen und Leid hinwegwalzen. Sie peitschen Reformen durch, kurz vor der Sommerpause, während das Land in Urlaubsstimmung ist. Klassische Taktik.Und das Volk? Es lässt es zu!
Viele Kommentare unter Kuhnerts Post zeigen das gnadenlos: „Wie gewählt, so geliefert.“ „Genießt, was ihr gewählt habt!“ „Generalstreik – aber das kriegste in Deutschland nicht hin. Zusammenhalt Fehlanzeige.“ Die Lethargie ist erschreckend. Man meckert auf Facebook, teilt wütende Posts, geht aber nicht auf die Straße. Die Gesunden schauen weg, weil es sie (noch) nicht betrifft. Die Kranken haben keine Kraft mehr. Die Pflegenden sind zu kaputt, um zu kämpfen. „Wir sind zu bequem oder feige für uns einzustehen“, schreibt eine Kommentatorin.Das ist die bittere Wahrheit: Es liegt am Bürger, am Volk, ob eine solche Regierung weiter geduldet wird. Solange das Volk lieber auf dem Sofa sitzt, für Symbolpolitik auf die Straße geht, aber beim Aushöhlen des eigenen Gesundheitssystems schweigt, solange bleibt alles beim Alten. Politiker spucken auf das Volk, weil das Volk es sich bieten lässt. Sie verachten uns, weil wir uns selbst verachten – indem wir uns spalten, egoistisch wegsehen und bei der nächsten Wahl wieder dieselben Kreuze machen.
Zeit, laut zu werden
Jenny Kuhnert endet mit einem Weckruf: „Denn Politik verändert sich nur dann, wenn der öffentliche Druck groß genug wird.“ Genau. Keine Petitionen mehr, kein stilles Hoffen. Die Bürger müssen aufwachen. Generalstreik, konsequenter Dienst nach Vorschrift, Überlastungsanzeigen en masse, massive Demos – das sind die Sprachen, die diese Kaste versteht. Wer schweigt, macht sich mitschuldig. Wer weiter die gleichen Parteien wählt, die das System systematisch kaputtsparen, um anderswo Milliarden zu verpulvern, der darf sich nicht wundern, wenn Pflegekräfte kündigen, Versorgung kollabiert und am Ende jeder selbst betroffen ist.Das Volk ist der Souverän. Nicht die Regierung. Es wird Zeit, dass die Angestellten in Berlin das endlich wieder spüren. Sonst ist das hier keine Demokratie mehr – sondern nur noch die Herrschaft der Unfähigen über die Gleichgültigen.
Und das haben wir uns dann selbst zuzuschreiben.
