Der CDU-Desinformationspräsident Sven Schulze und das große Sterben als 24-Jahres-Erfolg
Seit über zwei Jahrzehnten CDU-Mitverantwortung feiert Sven Schulze sinkende Arbeitslosenzahlen als eigenen Triumph – während Sachsen-Anhalt demografisch ausblutet. Weniger Menschen, weniger Arbeitslose. Genialer Plan oder zynische Volksverdummung?
Liebe CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, herzlichen Glückwunsch zu 24 Jahren ununterbrochener „Verantwortung“! Ihr seid wahre Meister der Selbstbeweihräucherung. Während andere nur „protestieren“, packt ihr an. Ihr liefert. Ihr gestaltet. Und vor allem: Ihr rechnet so kreativ, dass selbst ein langsam verendendes Bundesland wie eine Erfolgsgeschichte daherkommt.
In eurem jüngsten Facebook-Post mit den hübschen Herzchen in Schwarz-Rot-Gold zelebriert ihr die pure Gestaltungskraft: „Kritik löst kein einziges Problem!“ Stattdessen präsentiert ihr stolz eure Bilanz – starke Wirtschaft, Zukunft im Blick, Sicherheit zuerst. Und Ministerpräsident Sven Schulze verkündet im Landtag mit Siegerpose: Die Arbeitslosenzahlen seien von über 260.000 auf rund 88.000 gesunken.
Was für ein grandioser Triumph nach 24 Jahren CDU-Verantwortung! Seit 2002 (und besonders nach dem Hartz-Sprung 2005) sinken die offiziellen Zahlen. Bravo!
Man möchte fast vor Rührung applaudieren. Endlich hat die CDU das Arbeitslosenproblem gelöst. Oder war es doch eher die Demografie, die für euch gearbeitet hat?
Denn wer genauer hinschaut, erkennt das wahre „Geheimnis“ hinter diesen Zahlen: Sachsen-Anhalt stirbt einfach weg. Die Bevölkerung ist seit der Wende dramatisch geschrumpft – von fast drei Millionen auf unter 2,2 Millionen, Tendenz weiter fallend. Besonders die jungen, arbeitsfähigen Menschen sind weg: Abgewandert in den Westen, weil es hier trotz eurer 24-jährigen „Gestaltungskraft“ keine echten Perspektiven gab. Das Durchschnittsalter klettert Richtung 50, das Land altert rapide, das Potenzial an Werktätigen schrumpft massiv.
Weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter = automatisch weniger Arbeitslose
Die Quote liegt trotzdem immer noch über dem Bundesdurchschnitt. Aber das passt natürlich nicht in euren glänzenden Post mit den grünen Häkchen und den starken Sprüchen.Genial, Herr Schulze. Ihr feiert einen jahrzehntelangen demografischen Kollaps als eigenen Erfolg. Das ist keine Politik, das ist politische Leichenfledderei: Aus Bevölkerungsschwund wird „starke Wirtschaft“. Aus Massenabwanderung junger Fachkräfte wird „Zukunft im Blick“. Und aus einem strukturell ausgebluteten, alternden Land wird „Entscheidungen treffen statt ausweichen“.
Natürlich haben auch statistische Tricks schön mitgeholfen – veränderte Zählweisen, Hartz-Effekte, Aktivierungsmaßnahmen, Bürgergeld-Regelungen. All das senkt die nackten Kopfzahlen wunderbar, ohne dass plötzlich alle Betroffenen in gut bezahlten Jobs gelandet wären. Aber warum solche Kleinigkeiten erwähnen, wenn man stattdessen mit Polizeiausstattung und Forschungslandschaft prahlen kann?
Euer Post ist ein Meisterwerk der Selbstlob-Hysterie: „Probleme anpacken statt nur darüber zu reden.“ Richtig. Nur dass das eigentliche Mega-Problem – das systematische Ausbluten Ostdeutschlands durch Abwanderung, fehlende Chancen und eine Politik, die seit einem Vierteljahrhundert vor allem verwaltet und schönrechnet – konsequent ausgeblendet wird. Stattdessen fragt ihr die Bürger artig: „Was ist euch für die Zukunft unseres Landes am wichtigsten?“
Vielleicht, dass in zehn Jahren überhaupt noch genug junge Menschen da sind, um das Land am Laufen zu halten? Dass sinkende Arbeitslosenzahlen nicht nur daher kommen, weil immer weniger übrig bleiben, die überhaupt arbeiten könnten?
Aber nein – Kritik löst ja bekanntlich „kein einziges Problem“. Also weiter mit dem falschen Jubel über die eigene Großartigkeit.
Sven Schulze und die CDU haben tatsächlich etwas Großes geleistet
Sie haben es geschafft, aus dem langsamen Tod eines Bundeslandes eine 24-Jahres-Erfolgsgeschichte zu stricken. Chapeau. Das erfordert nicht nur „Verantwortung“, sondern vor allem eine bemerkenswerte Portion Chuzpe und Desinformation.Während das Land schrumpft und die Jungen flüchten, feiert die Regierung sinkende Zahlen. Verantwortung statt Protest? Richtig. Nur dass die echten Probleme sich von allein „lösen“ – durch Wegzug und Wegsterben. Und das nennt ihr dann Zukunft.
14 Quellen zur Aussage von Sven Schulze und den Arbeitslosenzahlen in Sachsen-Anhalt:
- 1. Offizielle Pressemitteilung: Sven Schulze Bilanz im Landtag (260.000 auf 88.000)
- 2. Volksstimme: Debatte Schulze vs. Siegmund zur Arbeitslosen-Bilanz
- 3. Statista: Arbeitslosenquote Sachsen-Anhalt seit 1999/2008
- 4. Bundesagentur für Arbeit – Offizielle Arbeitsmarktstatistik
- 5. MDR: Aktuelle Arbeitslosenzahlen Sachsen-Anhalt (ca. 88.000)
- 6. Demografieportal Sachsen-Anhalt – Bevölkerungsprognose 2022–2040
- 7. MDR: Bevölkerungsprognose 2040 – Starkes Schrumpfen
- 8. Statista: Einwohnerzahl Sachsen-Anhalt seit 1961
- 9. PDF: 8. Regionalisierte Bevölkerungsprognose Sachsen-Anhalt (Statistisches Landesamt)
- 10. PDF: Arbeitsmarktbericht Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt
- 11. Agentur für Arbeit Sachsen-Anhalt-West – Regionale Statistiken
- 12. IAB: Entwicklung der Erwerbslosigkeit in Sachsen-Anhalt (Demografie-Effekt)
- 13. PDF: Arbeitslosenquoten nach Bundesländern 2025/2026
- 14. PDF: Historische Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt (Statistisches Landesamt)
