50 Millionen Euro! Wann platzt der Traum vom grünen Wasserstoff im Burgenlandkreis?
In der Kreistagsausschusssitzung zum Strukturwandel am 1.6.2026 war erneut das Projekt einer Wasserstoffleitung für grünen Wasserstoff Thema.
In der Ausschusssitzung war zu erfahren, dass 40 Kilometer Leitungen verlegt werden sollen, um perspektivisch grünen Wasserstoff von den Erzeugern zu den Abnehmern an unterschiedliche Orte im und um den Burgenlandkreis zu transportieren. Das Leitungssystem soll an ein bestehendes Leitungsnetz bei Gera angeschlossen werden, um keine Insellösung zu sein. Hierfür wurde die Wasserstoff-Netz Burgenlandkreis GmbH gegründet, an der der Burgenlandkreis 51 % hält. Weitere Anteilseigner sind Ontras (41 %) und EE Dupp ApS (8 %). Der Einstieg der industriellen Partner (Ontras und EE Dupp ApS) wird als starkes positives Signal gewertet.
Bis zu 50 Mio. Euro Fördermittel stehen bereit. Für den bewilligungsreifen Antrag wird eine Finanzierungslückenberechnung benötigt, die auf der aktuellen Kostenermittlung basiert. Bis zum Herbst 2026 sollen die Leistungsphasen 1 und 2 abgeschlossen werden, woraufhin auf Basis der vorliegenden Ergebnisse über die weiteren Schritte entschieden wird.
Anschließend folgt die Leistungsphase 3, die sogenannte Umweltphase. In dieser Phase werden unter anderem Flora- und Fauna-Kartierungen sowie Artenschutzgutachten erstellt. Diese Phase dauert etwa ein Jahr, da ein kompletter Jahreszyklus betrachtet werden muss, und soll 2027 abgeschlossen sein. Im weiteren Verlauf des Jahres 2027 erfolgt dann die baufachliche Prüfung durch den Fördermittelgeber mit dem Ziel, bis Ende 2027 einen bewilligungsreifen Förderbescheid zu erhalten.
Der Baubeginn (Spatenstich) ist für das Jahr 2028 geplant. Die Inbetriebnahme der Wasserstoffleitung soll Ende 2030 erfolgen.
Der Eigenanteil am Projekt wird maßgeblich von der regionalen Industrie getragen. Insgesamt gilt das Vorhaben als beispielhaft für den energetischen und technologischen Strukturwandel im Burgenlandkreis im Zuge des Kohleausstiegs.
Die ermittelten Bedarfe zeigen, dass der Verbrauch auf der Industrieseite derzeit deutlich höher liegt als die aktuelle Erzeugungskapazität vor Ort. Aus diesem Grund ist die Anbindung an das überregionale Kernnetz essenziell, damit das Netz ausgleichen und flexibel betrieben werden kann. Die genauen Mengen wurden aus Vertraulichkeits- und Wettbewerbsgründen nicht öffentlich genannt.
Alles weitere im Video am Minute 51.
Grüner Wasserstoff im Burgenlandkreis: Wie lange dauert es noch, bis der Traum platzt?
Ich habe die Künstliche Intelligenz ChatGPT folgendes gefragt:„Existiert heute ein großes grünes Wasserstoffprojekt auf der Welt, das weder für die Elektrolyse noch für die Stromerzeugung irgendeine staatliche Förderung benötigt und dauerhaft mit grauem Wasserstoff konkurrieren kann?“Die Antwort lautet: Nein!
Es wurden zwar drei Projekte aufgeführt – Hygenco (Indien), das Chifeng-Projekt von Envision (China) und das Fortescue-Vorhaben Hemnes in Norwegen –, doch es gibt bisher keinen allgemein anerkannten und transparent nachgewiesenen Großanlagenfall, der diese Bedingung eindeutig erfüllt. Das zeigt sich auch daran, dass viele angekündigte Milliardenprojekte verschoben, verkleinert oder gestoppt wurden, sobald Förderprogramme unsicher wurden oder die Nachfrage fehlte.
Wo könnte es zuerst gelingen?
Am wahrscheinlichsten sind Standorte mit Stromkosten unter 2 Cent pro Kilowattstunde, sehr hoher Auslastung der Elektrolyseure, direkter Nutzung vor Ort (keine teure Wasserstofflogistik) sowie großen industriellen Abnehmern (Ammoniak, Raffinerien, Stahl).Daher gelten Regionen wie Saudi-Arabien, Chile, Namibia, Australien und Indien als die aussichtsreichsten Kandidaten für tatsächlich unsubventionierten grünen Wasserstoff in den kommenden Jahren.
Es stellt sich daher unweigerlich die Frage, warum man im Burgenlandkreis der Auffassung ist, dass grüner Wasserstoff in der Region zu wettbewerbsfähigen Preisen ohne dauerhafte Subventionen hergestellt werden könne. Die Stromkosten liegen deutlich über 2 Cent pro Kilowattstunde und werden wohl kaum sinken.
Damit grüner Wasserstoff wettbewerbsfähig hergestellt werden könnte, müsste grauer Wasserstoff durch steigende CO₂-Bepreisung, Steuern und Abgaben künstlich verteuert werden. Doch das bedeutet eine grundsätzliche Verteuerung der Energie. Dies wiederum führt dazu, dass Unternehmen im weltweiten Wettbewerb nicht mehr mithalten können. Die Deindustrialisierung in Deutschland schreitet schon jetzt gerade aufgrund der hohen Energiepreise voran.
Wann wird man das verstehen und umdenken? Bevor man weitere Millionen an Subventionen versenkt hat – oder erst danach?
