Pistorius in Weißenfels: Endlich wieder Krieg in der Mitte der Gesellschaft!
Welch ein Festtag! Am 6. Juni 2026 kommt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) höchstpersönlich nach Weißenfels, um der Bevölkerung zu zeigen, wie wunderbar modern, familienfreundlich und mitten im Herzen der Gesellschaft der nächste Krieg vorbereitet wird.
Der „Tag der Bundeswehr“ verwandelt Marktplatz, Stadtbalkon und Badanlagen in eine fröhliche Militär-Messe – mit Eurofighter-Überflug, gepanzerten Fahrzeugen, Verwundetenversorgung unter „Gefechtsbedingungen“ und sogar dem live-Ausbau eines Fuchs-Transportpanzers. Endlich mal wieder echte Action in der Provinz! Die Kinder dürfen staunen, die Eltern ein Bierchen trinken, und alle zusammen lernen: Krieg ist gar nicht so schlimm, wenn er nur bunt und mit Live-Musik daherkommt.
„Wir wollen bewusst in die Mitte der Gesellschaft gehen“
sagt Generalarzt Dr. Bruno Most.Wie recht er hat. Früher haben die Herrschenden ihre Kriege noch heimlich in Kasernen geplant. Heute ist man ehrlich: Der Militarismus soll wieder Volksfest werden. Genau wie 1914, als die Menschen in Berlin und Wien jubelnd in den Ersten Weltkrieg zogen, Blumen auf die Uniformen warfen und glaubten, bis Weihnachten sei alles vorbei. Oder wie in den 1930er Jahren, als man mit Fackelzügen und Wehrsport die Jugend begeisterte. Die Bevölkerung hat sich immer gefreut – bis die ersten Särge kamen.
Aber diesmal ist alles ganz anders. Diesmal ist es die SPD, die den Job macht. Dieselbe Partei, deren Willy Brandt 1970 in Warschau auf die Knie fiel und mit dieser Geste der Welt Demut, Versöhnung und „Nie wieder Krieg“ versprach. Ein ikonischer Moment, der Deutschland von seiner blutigen Vergangenheit reinwaschen sollte. Heute kniet die SPD nicht mehr – sie steht stramm. Ihr Kriegsminister Boris Pistolius argumentiert, man müsse „kriegstüchtig“ werden, die Bundeswehr aufrüsten und die Gesellschaft auf den Ernstfall einschwören. Einen Ernstfall, an dem fleißig durch stetige Eskalationen gegen Russland gearbeitet wird. Aus Kniefall wurde Marschschritt. Aus „Nie wieder“ wurde „Nächstes Mal besser“. Die historische Ironie ist so dick, dass selbst ein Eurofighter drüberfliegen könnte, ohne sie zu berühren.
Und wie einladend das Ganze gestaltet wird! Verwundetentransport-Container zum Anschauen, Logistik-Vorführungen, Aktionen für Kinder. Man möchte fast rufen: „Oma, hol den Fotoapparat, der kleine Timmy darf mal einen echten Kampfpanzer streicheln!“ Krieg als Event-Gastronomie. Panzer-Selfie inklusive. Die Bundeswehr geht nicht mehr in den Krieg – der Krieg kommt jetzt zum Bürgerfest in die Innenstadt.
Während Pistorius in Weißenfels die Werbetrommel für die nächste Runde Aufrüstung und Einberufung rührt, zeigen andere wenigstens Konsequenz: Die Linke und DieBasis rufen an diesem Tag zu Demonstrationen gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht, Aufrüstung, Kriegsverherrlichung und für Frieden auf. Zwei kleine Gegenstimmen gegen das große Militär-Spektakel.
Der Rest der Gesellschaft darf am 6. Juni applaudieren, während die Jets über die Saale donnern. Früher wurde „Hurra! Hurra! Hurra!“ oder „Heil“ gerufen. Heute heißt es „cooler Eurofighter!“. Die Methode ist dieselbe geblieben: Die Bevölkerung soll sich freuen, solange die Bomben noch woanders fallen.
Willkommen zurück in dieser neuen (oder doch alten) Normalität des 20. Jahrhunderts. Weißenfels feiert. Die Mitte der Gesellschaft darf sich endlich wieder für den Krieg öffnen.
