Russland wird nicht angreifen: Ex-Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach fordert realistische Machtpolitik in Burgwerben bei Weissenfels
Am 12. Mai 2026 lud der Verein „Erinnern und Gedenken“ in den Flora Palast nach Burgwerben / Weissenfels ein. Gast war Kay-Achim Schönbach, ehemaliger Vizeadmiral und Inspekteur der Deutschen Marine. Der Abend stand unter dem Einfluss der aktuell anhaltenden politischen Ereignisse und bot eine pointierte, realpolitische Analyse der globalen Machtverschiebungen.
Kernbotschaften des Vortrags
Schönbach begann im Flora Palast mit einem klaren Bekenntnis: Macht sei weder gut noch böse, sondern ein zentrales Instrument der Politik. Ziel jeder Sicherheitspolitik sei es, Macht zu erhalten, zu erweitern und kontrolliert einzusetzen. Er kritisierte scharf die „moralisch aufgeladene“ deutsche und europäische Politik, die an Realitäten vorbeigehe.Wichtige Thesen:
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Globale Machtverschiebung: Die Welt befinde sich in einem neuen „Great Game“ zwischen den USA, einem erstarkten Russland und China. Europa sei weitgehend nur noch Zuschauer – selbstverschuldet durch ideologische Politik, Energiewende, unkontrollierte Migration und überzogene Sanktionen. Schönbach illustrierte den Bedeutungsverlust mit dem Bild von Bundeskanzler und Macron als „Topfpflanzen“ bei der Gaza-Friedenskonferenz.
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Ukraine-Krieg: Schönbach verurteilte den russischen Angriff 2022, betonte jedoch den längeren Konfliktkontext (NATO-Osterweiterung, Behandlung der russischsprachigen Bevölkerung im Donbas). Er plädierte für Verhandlungen und kritisierte die reflexartige Ablehnung von Vermittlern wie Gerhard Schröder. Eine Spaltung der Ukraine hielt er langfristig für wahrscheinlich, da die Bevölkerungsgruppen kaum noch zusammenleben könnten. Eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine nannte er unrealistisch.
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USA und Trump: Schönbach beschrieb die US-Politik als klassische Großmachtpolitik („America First“, Monroe-Doktrin-Logik). Interventionen dienten eigenen Interessen; Europa werde dabei nicht primär berücksichtigt. Der Iran-Konflikt diene vor allem dazu, China zu schaden.
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Deutschland und Europa: Schönbach kritisierte die nationale Sicherheitsstrategie und die Militärstrategie als zu vage und wenig zielführend. Deutschland verliere durch ideologische Politik (Energiewende, Sanktionen, „Wiedergutmachungsagenda“) an Substanz und riskiere den Abstieg zum Schwellenland. Er sprach sich für eine wehrhafte Friedfertigkeit aus – starke Verteidigungsfähigkeit bei gleichzeitiger Zurückhaltung.
- Zukunftsideen: Er warf Neutralität (bewaffnet, nach Schweizer/österreichischem Vorbild) als Option für Deutschland in den Raum, plädierte klar für die Wehrpflicht (für Männer und Frauen, inklusive Eingebürgerter) und warnte vor moralischem Überbietungswettbewerb in der Politik.
Die Diskussion
In der anschließenden lebhaften Diskussion wurden mehrere Themen vertieft:-
Abschreckung vs. Aggression: Schönbach hielt eine starke Armee für notwendige Abschreckung erforderlich. Eine ideologische Expansion sehe er bei Deutschland nicht.
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NATO und EU: Beide Bündnisse bräuchten Reformen, behielten aber Wert zur Stabilisierung Europas. Gleichzeitig kritisierte ein Diskussionsteilnehmer sie als Kriegsbündnisse.
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Ostsee und Schattenflotte: Schönbach relativierte aktuelle Vorfälle als normales militärisches Routineverhalten.
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Sanktionen und Energie: Er kritisierte die einseitige deutsche Moralpolitik, die andere EU-Staaten nicht mittrügen. Deutschland schade sich selbst.
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Wehrpflicht: Er bekräftigte, dass sie alle Deutschen betreffen müsse.
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AfD: Schönbach äußerte sich wertfrei-positiv über persönliche Eindrücke und inhaltliche Nähe mancher Positionen zu früheren CDU-Programmen.
- Eigene Entlassung 2022: Auf Nachfrage schilderte er detailliert die Umstände seiner Versetzung in den Ruhestand nach Äußerungen zur Krim und Russland in Indien. Er sah darin eine Überreaktion der damaligen Ampel-Regierung (insbesondere Baerbock).
Fazit
Kay-Achim Schönbach plädierte für eine nüchterne, interessengeleitete deutsche Außen- und Sicherheitspolitik anstelle moralischer Selbstüberhöhung. Europa müsse die multipolare Realität anerkennen und sich verteidigungsfähig aufstellen, ohne illusionäre Ansprüche. Ob man seiner Analyse folgt oder nicht – der Vortrag bot eine deutliche Gegenstimme zum vorherrschenden Diskurs und regte zum Nachdenken an.Der Verein „Erinnern und Gedenken“ und die Veranstalter schufen mit der Einladung Schönbachs einen Raum für offene, nicht-mainstreamige sicherheitspolitische Debatten und zeigten auf, dass Menschen mit teilweise unterschiedlichen Standpunkten sachlich diskutieren können.
