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Bildung braucht Ideen: Schulleiter diskutieren mit Politik über Wege aus der Schulmisere


Wenn Schule nicht funktioniert, dann liegt das nicht nur an fehlenden Lehrkräften oder knappen Ressourcen – sondern oft auch am fehlenden Einfallsreichtum bei der Suche nach Lösungen. Dieser Gedanke wurde beim Bildungsgespräch am 18.03.2026 in Schuhmanns Garten in der Weißenfelser Innenstadt zwar nicht wörtlich ausgesprochen, stand jedoch spürbar im Raum.



Zu der Gesprächsrunde eingeladen hatte die direkt gewählte CDU-Landtagsabgeordnete Elke Simon-Kuch gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Jan Riedel, Bildungsminister, sowie dem bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Carsten Borchert. Neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern waren vor allem Schulleiterinnen und Schulleiter aus Weißenfels, Hohenmölsen, Mücheln und Lützen gekommen. Ziel war ein offener Austausch über die Herausforderungen des Schulalltags – direkt aus der Praxis.

Besonders deutlich wurde dabei: Viele Probleme beginnen bereits bei gesellschaftlichen Vorurteilen. So schilderte der Leiter der Ökowegschule Weißenfels, Herr Schupa, dass Schulen häufig unter einem festgefahrenen Bild litten. Er sprach vom „Schubladendenken“ und vom „lieb gewonnenen Jammern“, das vielerorts den Blick auf Erfolge verstelle.

Als Beispiele nannte er bekannte Zuschreibungen innerhalb Weißenfels’: Die Beuditzschule habe mit dem Vorurteil des „bösen T“ zu kämpfen – gemeint ist das Gebiet rund um Hermannsgartenstraße und Walterstraße, dem vielerorts ein schwieriges soziales Umfeld zugeschrieben werde. Die Neustadtschule werde häufig allein über ihren hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund wahrgenommen. Und über die Ökowegschule heiße es nicht selten, dort gingen „nur Hartz-IV-Kinder“ zur Schule.

Dabei, so Schupa, werde oft übersehen, was an allen Schulen tatsächlich geleistet werde. Die Beuditzschule habe mit dem Projekt „4+1“ ein eigenes Profil entwickelt, die Neustadtschule erhalte aktuell besondere Unterstützung in der Migrantenförderung, und an der Ökowegschule lebten neben rund 450 Schülerinnen und Schülern auch etwa 250 Tiere als Teil des pädagogischen Konzepts.

Das Thema Unterrichtsausfall durch fehlende Fachkräfte wurde von politischer Seite zurückhaltend beantwortet. Man habe inzwischen verschiedene Programme geschaffen, mit denen Schulen flexibel reagieren könnten. Entscheidend sei, dass die Einrichtungen vorhandene Spielräume nutzten. So stehe ein frei verfügbares Personalbudget zur Verfügung, das bewusst offen gehalten sei. Schulen könnten damit selbst entscheiden, wie sie auf absehbare Engpässe reagierten – etwa wenn Lehrkräfte wegen Operationen oder längerer Erkrankungen ausfielen. Projekte könnten Unterrichtslücken auffangen, wenn Kreativität in der Planung vorhanden sei.

Einen besonders praxisnahen Einblick gab Jörg Riemer, Leiter der Berufsbildenden Schulen. In seinem Beitrag schilderte er, dass er in den vergangenen Jahren rund 300 Bewerbungsgespräche geführt habe, um seine Schule personell stabil aufzustellen. Dabei setze er bewusst auch auf Quereinsteiger und sehe darin kein grundsätzliches Risiko.

Auch personelle Ausfälle durch Schwangerschaften wertete er nicht als Problem. Im Gegenteil: Schwangerschaften von Kolleginnen seien kein Anlass zur Sorge, sondern ein Grund zur Freude – schließlich müssten auch die Schülerinnen und Schüler von morgen irgendwoher kommen.

Im Verlauf des Abends meldeten sich zahlreiche weitere Schulleitungen zu Wort. Trotz aller Schwierigkeiten herrschte Einigkeit darüber, dass andere Regionen Sachsen-Anhalts deutlich größere Probleme bei der Lehrerversorgung hätten.

Kritik kam von der Freien Schule Lützen. Dort beklagte man, bei Förderprogrammen regelmäßig außen vor zu bleiben, weil die Schülerzahlen offenbar als zu unsicher für größere Investitionen bewertet würden. Aus dem Ministerium kam der Hinweis, verstärkt Mittel aus dem Strukturwandel in den Blick zu nehmen – dort seien die Chancen auf Berücksichtigung größer.

Auch aus Mücheln wurde ein konkretes Problem geschildert: Ein seit vier Jahren laufendes Pilotprojekt mit nachweisbaren Erfolgen und zugleich entlastender Wirkung für den Bildungshaushalt solle eingestellt werden. Der Minister sagte zu, sich über den Vorgang zu informieren und nach Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen.

Pragmatische Ansätze wurden auch beim Thema Schulschwimmen diskutiert. Warum Schwimmunterricht über ein ganzes Schuljahr verteilen, wenn Blockschwimmkurse im Sommerbad Lützen möglich wären? Wenn Schulen und Träger sich einigten, spreche aus Sicht des Ministeriums nichts dagegen.

Am Ende blieb eine zentrale Botschaft: Das Ministerium könne nicht jede Lösung vorgeben. Vielmehr brauche es vor Ort Ideen, Mut zur Umsetzung und die Bereitschaft, vorhandene Mittel flexibel einzusetzen.

Oder anders formuliert: Schule von morgen beginnt nicht nur im Ministerium – sondern vor allem dort, wo täglich Verantwortung übernommen wird.

Verfasser: Karla Kolumna  |  19.03.2026

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