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Fernwärme-Paradoxon - wenn billige grüne Energie das Heizen teurer macht


Auf meine Frage im Stadtrat und den Artikel in der Bürgerstimme, ob es noch andere Konzepte hinsichtlich der Umstellung der Fernwärme in Hohenmölsen gibt, meldete sich Stadtratsmitglied Jan Förster (CDU) via Facebook in der Gruppe „Ulrich Siegmund“.



Warum sich Jan Förster (CDU) trotz Brandmauer gerade in dieser Gruppe zu Wort meldet, wird wohl erst einmal ein Mysterium bleiben.

Seine Argumentation überzeugte mich allerdings nicht.

Jan Förster schrieb hinsichtlich des Artikels Millionengrab „Grüne Fernwärme“ – Heizen wird teurer – Energiewende gescheitert mit etwas Überheblichkeit: „Für den Menschen, der einfach keine Ahnung hat: Die Fernwärme in Hohenmölsen muss umgestellt werden, weil wir bald keine Braunkohle mehr zur Verfügung haben. Das wäre unabhängig des Braunkohleausstiegs schon IMMER um das Jahr 2035 herum erfolgt.“

Bei dieser Darstellung handelt es sich allerdings um eine Desinformation. Würden weitere Gebiete erschlossen werden, wäre ein Abbau bis in die 2050er-Jahre möglich. Das ist sicherlich auch nicht ewig, aber zeitlich später als das politisch festgelegte Jahr 2035.

Er schrieb weiter: „Auch vor 2022 wäre vermeintlich billiges Gas aus Russland schlicht keine Lösung für Hohenmölsen gewesen, weil es weder eine Leitung (das ist das Teuerste am Projekt) noch einen Verbrenner für dieses Gas gibt. Daher wären die Fernwärmekosten so oder so gestiegen. Wenn wir die Investitionskosten selbst hätten tragen müssen, wäre eine weitere reine ‚fossile‘ Fernwärme unbezahlbar geworden.“

Das Paradoxe an dieser Aussage ist, dass nun doch auf Erdgas umgestellt werden soll – nur eben nicht-russisches Erdgas. Eine Leitung muss und soll also gelegt werden.

Mein Argument ist, dass auch Braunkohle oder Steinkohle aus anderen Teilen Europas importiert werden könnte – zum Beispiel aus Polen. Jan Förster meinte, dass dies nicht möglich sei, weil es keine Gleisanbindung gebe. Allerdings wird Braunkohle auch nach Leuna per Bahn transportiert. Eine Gleisanbindung besteht demnach doch. Er ging im weiteren Verlauf nicht mehr darauf ein.

Er schrieb: „Vom reinen Arbeitspreis her würde die Fernwärme in diesem Jahr je kWh 9,85 ct zzgl. der Grundgebühren kosten. Durch den Emissionspreis sind es 13,14 ct je kWh. Wohlgemerkt: Diese Preise sind vollständig ohne größere Investitionskosten, die so oder so angefallen wären.“

Zur Erinnerung: Laut dem Konzept der „Grünen Fernwärme“, deren Investitionskosten innerhalb von wenigen Monaten von angedachten 50 Millionen Euro auf nun 66 Millionen Euro gestiegen sind, werden die Preise auf über 20 Cent/kWh steigen. Würde man also auf diese Umrüstung auf 25 % Strom plus 75 % Gas erst einmal verzichten, hätte man diese Preissteigerung nicht. Wenn die Politik das Wohl der Menschen im Sinn hätte, könnte sie auch auf die Emissionszuschläge verzichten. Tut die Politik aber nicht.

Weiter schrieb Jan Förster folgende bemerkenswerte Zeilen: „Ein Grund für die hohen Fernwärmekosten in Hohenmölsen ist z. B., dass die aktuelle Redundanz Schweröl heißt und noch einmal erheblich teurer als Braunkohle ist. Die Braunkohle gibt es aber nicht mehr ganzjährig, weil ihre Verstromung zu teuer ist, während die EE den Strom kostengünstig liefern.“

Ich denke mal, dass auch das eine Desinformation sein dürfte. Die Kohlebahnen fahren jeden Tag aus dem Tagebau zum Kraftwerk Wählitz. Seiner Darstellung nach wird Braunkohle teilweise nicht verfeuert, weil sie zu teuer für die Verstromung ist. Stattdessen wird Schweröl verheizt, was aber noch einmal teurer als Braunkohle ist? Mir fehlt da die Logik.

Wie wird das Schweröl angeliefert? Möglicherweise per Bahn?

Ich verwies darauf, dass einmal behauptet wurde, dass die erneuerbaren Energien wesentlich günstiger sein würden; auch Jan Förster hatte das erklärt – die berühmt-berüchtigte Kugel Eis. Förster antwortet: „hui… wollen wir vielleicht noch Sätze von vor 50 Jahren zitieren? Ich denke, in den letzten guten 20 Jahren ist viel passiert und daher ist das Zitat ungeeignet für eine sinnvolle Debatte, zumal sich Trittin auf die EEG-Umlage bezog, die seit 2022 nicht mehr erhoben wird. Dass die Gestehungskosten erneuerbarer Energien heute aber schon günstiger sind als die fossilen, ist schlicht Fakt.“

Was interessiert ihn also das Geschwätz von gestern? Mich interessiert das schon, denn es geht auch um die Glaubwürdigkeit und die Weitsichtigkeit der Politik. Denn die Kosten für Fehlentscheidungen tragen wir, die Bürger. Die EEG-Umlage mag entfallen sein, die CO₂-Bepreisung wurde aber stetig politisch gewollt erhöht.

Förster schrieb: „Die Kohle hört schneller auf, als dass es eine vollständige EE-Alternative gibt, also muss man sich mit Brückentechnologie behelfen…“

Ich weiß, es ist immer schwierig für den einen oder anderen Politiker (auch wenn es „nur“ ein Regionalpolitiker ist), wenn jemand nicht nur fragt, sondern auch hinterfragt. Für Jan Förster ist die Kostensteigerung der Fernwärme seinen Angaben zufolge kein Problem bzw. unabdingbar. Er speist seine Wärmepumpe zum Teil mit Strom aus seiner Solaranlage. Er ist also von diesen Preissteigerungen nicht betroffen. Das macht es ihm leichter, darüber hinwegzusehen.

Doch mir fehlen die Logik und der Einsatz der Regionalpolitik für die Bürger.

Es stellen sich mir viele Fragen:
Die Braunkohle als Energieträger sorgt für günstigere Preise als nach der Umstellung auf Gas und grünen Strom. Es kam das Argument, dass es jetzt die Fördermittel gibt. Doch die Frage ist: Wer hat das festgelegt? Warum wird nicht festgelegt, dass es die Fördermittel auch in 10 oder mehr Jahren geben kann? Die Politik kann das also neu definieren, wenn sie es denn will.

Es heißt stets und ständig, Deutschland müsse sich unabhängig von Importen auch von Energieträgern machen. Doch die Nutzung der heimischen Kohle soll eingestellt werden. Statt dessen setzt man auf Gasimporte.

Es fiel das Wort „Brückentechnologie“. Aber zu welcher Technologie soll Erdgas die Brücke sein? Wenn Wind und Sonne so viel besser und sowieso die Zukunft sein sollen, warum wird nicht schon jetzt vollständig auf Wind und Sonne umgestellt? Warum erst noch auf Gaskraftwerke setzen? Warum nicht jeden Quadratmeter, der nicht für Natur gebraucht wird, auch in der Stadt Hohenmölsen mit Solarpanelen vollstellen? Flächen gibt es da einige.

Warum statt auf Erdgas umzustellen, Hohenmölsen nicht schon jetzt von Windrädern einkreisen? Was soll sich an Windkraftanlagen oder Solaranlagen in den nächsten Jahren noch verbessern, dass deren Einsatz nicht schon jetzt forciert werden kann? Der Wirkungsgrad wird sicherlich nur noch marginal zu steigern sein.

Schlauberger würden jetzt wahrscheinlich argumentieren, dass die politisch willkürlich festgelegten Klimaziele schnell erreicht werden müssten. Doch dazu verweise ich gern auf die Grafik aus dem Artikel Millionengrab „Grüne Fernwärme“ – Heizen wird teurer – Energiewende gescheitert. Der CO₂-Anteil Deutschlands ist so gering, dass dieser kaum auffällt. Die Steigerungen hinsichtlich CO₂-Ausstoß durch andere Länder sind um ein Vielfaches höher. Ob Deutschland noch ein paar Jahre länger CO₂ emittieren würde, ist folglich irrelevant. Man könnte also statt auf Gas sofort auf Wind und Sonne setzen und so lange die Kohlekraftwerke weiter betreiben, bis Wind und Sonne tatsächlich die gesamte Energieversorgung stabil bewerkstelligen können. Es wäre in jedem Fall kostengünstiger.

Es sei denn, in Politikerkreisen weiß man insgeheim doch, dass Sonne und Wind die Energieversorgung nicht sicherstellen können. Oder nicht zu günstigeren Preisen, weil es großer Überkapazitäten bedarf, um zusätzlich zum Verbrauch Speicher zu füllen, die die Energieversorgung während Dunkelflauten absichern. Man könnte vermuten, dass deswegen auf Gas umgestellt werden soll. Das treibt die Preise zwar nach nach oben, aber wenn dann noch weiter Steuermittel investiert werden, um auf Sonne und Wind umzurüsten, was dann noch einmal alles teurer macht, wäre der Preisabstand zu Gas nicht mehr so groß, sodass es die Menschen hinnehmen würden. Die übliche Salamitaktik.
Eine Studie von PwC kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland für eine vollständige Treibhausgasneutralität bis etwa 2045–2050 insgesamt rund 13,2 Billionen € investieren müsste (inkl. aller Sektoren und Netzsysteme).
Andere Studien, etwa von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), beziffern die Gesamtkosten inkl. Importkosten und Betrieb langfristig auf 4,8 – 5,4 Billionen € bis etwa 2049 – unter der Annahme, die derzeitige Politik wird fortgeführt.
Wenn denn Sonne und Wind die Ultima Ratio und in allen Bereichen kostengünstiger wären, warum setzen dann Entwicklungs- oder Schwellenländer in südlicheren Gefilden auf fossile Energieträger?

Die Stadtratsmitglieder von Hohenmölsen können sich ja einmal den einen oder anderen Gedanken zu dieser Thematik machen. Vielleicht wird mit übergeordneten Stellen und Politikerkreisen intensiv kommuniziert. Vielleicht wird darauf verwiesen, dass diese Umstellung auf die nicht wirklich grüne „Grüne Fernwärme“ die Preise nach oben treibt. Vielleicht wird darauf verwiesen, dass das schlecht für die Bevölkerung in Hohenmölsen ist. Vielleicht wird doch nach alternativen Konzepten gesucht. Vielleicht wird darauf gedrängt, die Braunkohle doch noch länger zu nutzen. Vielleicht wird Hohenmölsen mit Solarpanelen zugepflastert, um zu schauen, ob das mit dieser Energiewende wirklich funktionieren kann. Zumal Jan Förster selbst seine Wärmepumpe nicht vollständig mit Sonnenstrom betreiben kann. Außerdem soll ja möglichst bald noch jeder ein E-Auto fahren statt eines Verbrenners. Es braucht also Windräder ohne Ende, damit das irgendwie alles funktioniert. Und Stromspeicher, viele, viele Speicher. Ganz, ganz große Speicher.

Also: Warum die Umstellung auf Gas nicht überspringen, diese Kosten sparen, wenn Wind und Sonne sowieso die Endlösung sein sollen?

Grüner Wasserstoff? Nun, die MIBRAG hat diese Idee erst einmal auf Eis gelegt. Grüner Wasserstoff ist teurer als Wasserstoff aus Erdgas. Man kann sich also von dem Traum verabschieden, aus Wind- und Sonnen-Strom Wasserstoff zu erzeugen, um damit zu heizen. Die Kosten wären wahrscheinlich noch höher. Wäre es anders, würde man genau das angehen.

Auch die Diskussion der Beteiligung von Solar-Parks und Windkraftanlagen am Netzausbau zeigt, dass grüne Energie so günstig dann doch nicht erzeugt werden kann und sich nur rechnet, wenn diese massiv gefördert wird. Wäre es anders, wäre die Beteiligung am Netzausbau kein Problem.

Jan Förster schrieb: „Und selbstverständlich entspricht der Klimawandel der Wahrheit. Es ist umso irrer, dass nicht anzuerkennen, wo man nur noch den Fernseher anschalten muss, um die Folgen zu sehen. Da muss man sich nicht mal mit solch abwegigen Dingen, wie der empirischen Wissenschaft auseinandersetzen.“

Empirisch (Definition: Erkenntnisse auf der Grundlage von Erfahrungen, Beobachtungen oder systematischen Datenerhebungen aus der Realität zu gewinnen, anstatt nur theoretisch zu argumentieren) ist für mich, dass die Preise aufgrund politischer willkürlicher Festlegungen steigen und das Klima sich schon immer gewandelt hatte (ganz ohne Einfluss des Menschen). Dem Fernseher vertraue ich nicht so ohne weiteres. Empirisch sind die öffentliche-rechtlichen durchaus ein Quell von Desinformationen im Sinne der Politik und der forcierten Narrative. Das haben mir die vergangenen 6 Jahre sehr empirisch aufgezeigt. Warum soll das beim Klima-Thema anders sein?

Verfasser: Michael Thurm  |  26.02.2026

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