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Erkenntnisgewinn in Lichtgeschwindigkeit - Weißenfels hebt endlich ab (nach 32 Jahren Anlauf)


Die Mitteldeutsche Zeitung hat dieser Tage berichtet, dass der Stadtrat nun 60 Parkplätze in der Marienstraße schaffen will, um die Innenstadt zu stärken. Eine Nachricht, die man eigentlich mit Fanfaren und Konfetti feiern müsste – wäre sie nicht so unfreiwillig komisch. Denn sie klingt, als hätte Weißenfels gerade das Rad neu erfunden. In Wahrheit entdeckt man hier etwas, das seit über drei Jahrzehnten auf dem Tisch liegt.



Die Lichtgeschwindigkeit sollte sich warm anziehen, um nicht vom Faxgerät überholt zu werden. Der Erkenntnisgewinn im Weißenfelser Rathaus rast mit atemberaubender Geschwindigkeit – nur eben rückwärts durch die Zeit.

Böse Zungen würden meinen: Spätestens mit der Eröffnung des Einkaufszentrums „Schöne Aussicht“ in Leißling vor über 32 Jahren war für jeden sichtbar, was passiert. Wer dem Handel auf der grünen Wiese alles bietet – Platz, Parken, Bequemlichkeit – und der Innenstadt nichts außer guten Worten lässt, der braucht sich über leere Schaufenster nicht zu wundern. Konkurrenz Innenstadt vs. grüne Wiese? Das war 1993 schon keine Prognose mehr, sondern Realität.

Und doch tut man 2026 wohl so, als sei es eine bahnbrechende Einsicht, dass Kunden nicht mit dem Gedanken, sondern mit dem Auto kommen. Das Siechtum der Weißenfelser Innenstadt ist seit Jahrzehnten offen sichtbar: Leerstand, ausgedünnte Angebote, kaum Frequenz. Sogar Müller hat sein Sortiment verkleinert – nicht aus strategischer Laune, sondern weil die Kundschaft fehlt. Wenn selbst Filialisten den Rückzug antreten, ist das kein Warnsignal mehr, sondern ein Sirenengeheul.

Und trotzdem: Man verwaltet, prüft, vertagt – und entdeckt dann irgendwann das Offensichtliche: Die Innenstadt steht in Konkurrenz zur grünen Wiese.

Die wirklich bittere Frage lautet: Welche Erkenntnisse werden in weiteren 32 Jahren in Verwaltung und Stadtrat angekommen sein, die heute schon glasklar sind?

Vielleicht wird man dann feststellen, dass Bürgermeister nicht nur moderieren, sondern auch in vieler Hinsicht gegen Landes- und Bundespolitik hätten opponieren müssen, wenn diese der Innenstadt, der Stadt ansich, der Wirtschaft und den Bürgern systematisch geschadet hat. Dass man nicht jede Vorgabe brav abnicken darf, wenn sie vor Ort Kaufkraft und Leben aus der Stadt saugt. Dass man sich nicht hinter Zuständigkeiten verstecken kann, während der Stadtkern austrocknet.

Vielleicht wird man 2058 sagen: „Hätten wir doch früher verstanden, dass Mut, Widerstand und klare Kante nötig gewesen wären. Dass mehr Parkplätze gut, viele kostenlose Parkplätze wie auf der grünen Wiese aber besser für den Einzelhandel sind. Dass sich Verwaltung und Politik an dem orientieren sollten, was die Menschen wollen und die Wirtschaft braucht. Dass nicht versucht werden sollte, die Bürger zu erziehen und ihnen zu erklären, was sie wollen müssen.“

Der aktuelle Parkplatzbeschluss ist kein Fortschritt – er ist ein verspätetes Eingeständnis. Die Realität schlägt zurück – immer. Es dauert oft allerdings eine Weile, bis das in den Amtsstuben verstanden wird.

Wie den Kommentaren auf Facebook zu entnehmen ist, gefällt diese Umgestaltung nicht jedem Weißenfelser. Doch die Frage ist eben, was man will: Steuereinnahmen aus Gewerbe und Einzelhandel, um die eine oder andere Maßnahme überhaupt ansatzweise finanzieren zu können? Dann muss man dafür sorgen, dass die Kundschaft genauso bequem wie auf der grünen Wiese zu den Einzelhändlern und Gewerbetreibenden kommen kann.

Oder man will eine grüne Innenstadt. Dafür müsste nichts getan werden. Häuser verfallen auch von allein, und die Natur holt sich alles ganz ohne Eingriffe des Menschen zurück.


Verfasser: АИИ  |  22.01.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
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