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„Fürchtet euch nicht!“ - Armin Willingmanns Angst-Show und das kurze Gedächtnis der SPD


9,3 Prozent. Mehr hat die SPD unter ihrem Spitzenkandidaten Armin Willingmann bei der Landtagswahl nicht mehr zusammenbekommen – und trotzdem steht der Minister vor der Kamera und warnt die Republik vor „Ausgrenzung“ durch die AfD.



Fürchtet euch nicht! – Sagt der Mann, dessen Partei Ungeimpfte aus dem öffentlichen Leben verbannte

Armin Willingmann (SPD), Noch-Wissenschaftsminister und frisch gescheiterter Spitzenkandidat mit mageren 9,3 Prozent, stellt sich nach dem AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt als Schutzpatron der Ängstlichen auf. Im Video und Facebook-Post vom 8. September 2026 warnt er vor „Ausgrenzung“ von Wissenschaft, Kultur, Kirchen und Menschen mit besonderen Bedarfen durch die AfD – und ruft feierlich: „Fürchtet euch nicht! Wir streiten mit euch, wir verteidigen euch!“

Wie rührend. Der Mann, der in den „wunderbaren Corona-Jahren“ Teil einer Regierung war, die systematisch spaltete, ausgrenzte und Grundrechte nach Impfstatus verteilte, predigt jetzt Zusammenhalt. Eine Sezierung dieses Heiligenkitsch-Statements.

Die Heiligenrede des 9,3-Prozent-Verlierers: Ausgrenzung, wo man hinschaut – außer bei der eigenen Bilanz

Willingmann sieht „berechtigte Sorgen“. Das AfD-Regierungsprogramm stehe für Ausgrenzung von Wissenschaft, Kultur, Kirchen und Menschen mit besonderen Bedarfen. „Kulturfremdheit“, „patriotische Erklärungen“, „Eingriffe in die Wissenschaftsfreiheit“ und „Kirchenkampf“ würden drohen. Die AfD sei „auf Spaltung angelegt“.

Sehen wir genauer hin. Das AfD-Programm Sachsen-Anhalt 2026 („Das Land zuerst“) will tatsächlich die schulische Inklusion als „gescheitertes Experiment“ beenden und Förderschulen stärken. Es kritisiert die großen „Kirchensteuerkirchen“ scharf (Vorwurf der „Regenbogenideologie“), will Staatsleistungen streichen und den staatlichen Kirchensteuereinzug (das Inkasso für die Kirchen) beenden – zugleich aber Freikirchen und „authentisches Christentum“ fördern. Bei Wissenschaft zielt es auf Zielvereinbarungen, die Gender- und postkoloniale Studien zurückdrängen und stattdessen „kritische Islamforschung“ oder Klimafolgenforschung fördern sollen. Kultur soll stärker an „deutscher Identitätsfindung“ gemessen werden. Das ist Gegenprogramm zur bisherigen Politik.

Willingmann stilisiert das zur apokalyptischen Bedrohung und offeriert sich als Retter. Dabei blendet er systematisch aus, was seine eigene Partei und die von SPD mitgetragene Landesregierung in den Corona-Jahren praktiziert hat: die größte staatlich organisierte Ausgrenzung seit Jahrzehnten.

Corona-Erinnerung: Als die SPD-Regierung Ungeimpfte zu Bürgern zweiter Klasse machte

Wo war Willingmanns „Fürchtet euch nicht!“-Pathos 2021/2022? Sachsen-Anhalt setzte – wie fast alle Länder – 2G- und 3G-Regeln um: Zutritt zu Kultur, Gastronomie, Sport, Freizeit und Teilen des Einzelhandels nur noch für Geimpfte und Genesene. Ungeimpfte wurden vom gesellschaftlichen Leben weitgehend ausgeschlossen. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht für Pflege und Gesundheit drängte Ungeimpfte aus ihren Berufen. Maskenpflichten galten pauschal, oft bis in Wahllokale hinein. Wer keine Maske trug (ohne Attest), wurde sogar aus Wahlräumen verwiesen.

Konkrete persönliche Statements von Willingmann, in denen er Ungeimpfte verbal zerlegt oder Impfzwang bejubelt, sind zwar rar – er war Wissenschaftsminister, nicht Gesundheitsminister (das war Petra Grimm-Benne, SPD). Aber er war Teil der Regierung, die diese Verordnungen mittrug und mitbeschloss. Als die Maskenpflicht im ÖPNV 2022 endete, hätte die SPD (laut Willingmann selbst) gerne länger daran festgehalten. Die Partei, die heute vor Spaltung warnt, hat die Gesellschaft aktiv in Geimpfte und Ungeimpfte gespalten, soziale Kontakte von Ungeimpften massiv eingeschränkt und berufliche Existenzen ruiniert. „Wir verteidigen euch“ – damals galt das nur für die richtige Seite des Impfpasses.

Die Fake-News- und Desinformationsdichte in Willingmanns aktueller Rede ist hoch: Er unterstellt der AfD pauschal „rechtsextremistische Fantasien“ und systematische Ausgrenzung, ohne die eigenen jüngsten Ausgrenzungsexzesse auch nur zu erwähnen. Das ist kein Faktenvortrag, das ist moralische Selbstimmunisierung.


Menschen mit besonderen Bedarfen: Unter SPD-Sozialministerin Grimm-Benne und der bisherigen Koalition seit Jahren hohe Hürden ohne Ende

Willingmann warnt, die AfD würde die Situation für Menschen mit besonderen Bedarfen verschlechtern. Die Realität unter den bisherigen Regierungsparteien (CDU/SPD/FDP) sieht so aus: Bearbeitungszeiten für Schwerbehindertenausweise liegen im Durchschnitt bei acht Monaten – deutlich länger als in vielen anderen Ländern. Sachsen-Anhalt ist bundesweit Schlusslicht bei der Beschäftigungsquote schwerbehinderter Menschen (3,7 % statt der vorgeschriebenen Quote, bundesweit 4,7 %). Viele bleiben in Werkstätten stecken, der Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt gelingt selten. Es gab jahrelange Streitigkeiten um die Finanzierung der Eingliederungshilfe, Kündigungen von Rahmenverträgen, Übergangsverordnungen, die Gerichte kassierten, und Träger, die Leistungen einschränken mussten, weil Geld fehlte oder Verhandlungen stockten. Barrierefreiheit hapert an vielen Orten – Treppen, fehlende Toiletten, ÖPNV-Probleme.

Die AfD will Inklusion an Regelschulen beenden und Förderschulen stärken – das ist für Befürworter inklusiver Bildung ein Rückschritt und widerspricht der UN-Behindertenrechtskonvention in der Auslegung vieler Experten. Aber die Behauptung, unter den bisherigen Parteien sei alles rosig und nur die AfD bringe Verschlechterung, ist schlicht falsch. Die Probleme sind hausgemacht und lange bekannt.

Wissenschaftsfreiheit und Kulturkampf: Der Topf, der den Kessel schelten möchte

Willingmann, der sich gerne als Verteidiger der Wissenschaftsfreiheit geriert und mehrfach als einer der besten Wissenschaftsminister gerankt wurde, warnt vor AfD-Eingriffen. Die AfD will tatsächlich missliebige Forschungsrichtungen über Zielvereinbarungen zurückdrängen. Gleichzeitig hat die Corona-Politik gezeigt, wie schnell Wissenschaft instrumentalisiert werden kann, damit sie der politischen Linie dient – und wie abweichende Stimmen marginalisiert wurden. „Wissenschaftsfeindlichkeit“ ist ein flexibler Vorwurf, den man je nach Bedarf an den Gegner hängt.

Bei den Kirchen: Die AfD will den großen Kirchen die staatlichen Privilegien entziehen. Die Kirchen selbst haben sich in den Corona-Jahren und danach oft klar positioniert – und damit politische Seiten gewählt. Willingmanns Empörung wirkt selektiv.

Der Moralprediger mit dem kurzen Gedächtnis

Armin Willingmann hat mit 9,3 Prozent ein Ergebnis eingefahren, das die SPD in Sachsen-Anhalt weiter im Abseits hält. Statt Selbstkritik kommt der große Angst- und Beschützer-Auftritt. Er argumentiert gegen das AfD-Programm, verschweigt aber die massive Ausgrenzungspraxis der eigenen Partei und Regierung in den Corona-Jahren und die handfesten Defizite bei der Teilhabe von Menschen mit Behinderung unter der bisherigen Koalition.

„Fürchtet euch nicht!“ klingt hohl aus dem Mund derer, deren politisches Lager Ungeimpfte jahrelang als Risiko und Störfaktor behandelte. Die Desinformationsdichte liegt nicht nur in der pauschalen Dämonisierung der AfD, sondern vor allem in der systematischen Amnesie gegenüber dem eigenen Handeln. Wer Spaltung anprangert, sollte zuerst in den Spiegel schauen – oder zumindest in die Corona-Verordnungen Sachsen-Anhalts von 2021/2022.

Der Retter, der sich hier anbietet, hat seine Glaubwürdigkeit in Sachen Ausgrenzung und Spaltung längst verspielt.


Verfasser: АИИ  |  10.09.2026  |  Text- und Bildinhalte können zum Teil mit oder durch KI generiert sein.
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