Die dritte Wahl für Sachsen-Anhalt - oder: Wie man aus Notlösung und Wiederholungswahl eine „beste Wahl“ bastelt
Man stelle sich vor: Zwei Männer posieren vor der Kamera. Der eine zeigt mit dem Finger auf den anderen, als habe er soeben die Lösung für alle Probleme Sachsen-Anhalts entdeckt. Der Gezeigte grinst. Darunter prangt in großen Lettern: „Die beste Wahl für Sachsen-Anhalt. Sven Schulze.“
Man könnte lachen. Man sollte lachen. Denn was hier als triumphale Nachfolge verkauft wird, riecht verdächtig nach politischer Notoperation mit PR-Lack.
Erinnern wir uns kurz: 2021 brauchte Reiner Haseloff (CDU) zwei Wahlgänge, um wieder Ministerpräsident zu werden. Nicht einen. Zwei! Die „beste Wahl“ von damals musste also erst einmal nachsitzen, bis sie endlich durchkam und wurde zur zweiten Wahl. Ganz so, wie der von vielen geliebte Bundeskanzler Friedrich Merz - auch verfehlte die notwendige Mehrheit im ersten Wahlgang und konnte nur mit den Stimmen der Linken Kanzler werden.
Und nun, Jahre später, zeigt Reiner Haseloff auf Sven Schulze und erklärt ihn zur angeblich „besten Wahl“. Als hätte er aus der Doppelrunde gelernt und beschlossen: Beim nächsten Mal machen wir es gleich von vornherein mit der dritten Option.
Sven Schulze. Eingesetzt im Januar 2026. Obwohl Haseloff zuvor noch beteuert hatte, er werde seine Amtszeit nicht vorzeitig beenden. Man kennt das aus der Politik: Versprechen sind wie Wahlplakate – bunt, groß und am Ende oft nur noch Makulatur. Plötzlich war die Amtszeit doch verkürzbar, und voilà: Der neue CDU-Mann stand da, grinste, und der alte zeigt auf ihn, als sei das alles schon immer so geplant gewesen.
„Die beste Wahl“ – ein Slogan, der in diesem Kontext fast schon zynisch wirkt. Die beste Wahl wäre vielleicht gewesen, erst gar nicht in die Situation zu geraten, in der man einen Nachfolger über Nacht installieren muss. Die beste Wahl wäre vielleicht gewesen, 2021 im ersten Durchgang durchzukommen. Die beste Wahl wäre vielleicht gewesen, die eigenen Worte von „ich bleibe bis zum Ende“ ernst zu nehmen.
Stattdessen bekommen die Bürger Sachsen-Anhalts jetzt das Plakat der „dritten Wahl“: Erst die Wiederholungswahl 2021, dann die vorzeitige Personalie 2025/26 – und nun die Werbekampagne, die so tut, als sei das alles ein reibungsloser, genialer Plan gewesen. Haseloff zeigt. Schulze grinst. Das Plakat lügt lächelnd.
Man könnte es auch anders formulieren: Wenn die „beste Wahl“ die dritte ist, dann sagt das viel aus über den Kandidaten und die Qualität der vorangegangenen Entscheidungen. Sachsen-Anhalt hat schon bessere Tage gesehen – und bessere Plakate. Aber hey: Wenigstens grinst einer. Das ist ja auch schon was.

