Luftnummer Landarztsuche - Die CDU-SPD-FDP-Regierung kann es mal wieder nicht
Sven Schulze verspricht im Wahlkampf den Arzt um die Ecke – und liefert eine leere Hülle. Während Praxen sterben und Studierende abspringen, spielt die CDU weiter das alte Spiel mit Quoten und Stipendien. Die Landarztsuche in Sachsen-Anhalt ist die nächste große Luftnummer einer Partei, die seit Jahren ankündigt und nichts liefert.
Schulze als Wunderheiler der medizinischen Versorgung – und die Realität lacht sich schlapp
Während die Hausarztpraxen im Burgenlandkreis und anderswo in Sachsen-Anhalt reihenweise dichtmachen, weil die Inhaber in Rente gehen und niemand nachrückt, steht Sven Schulze auf den Wahlplakaten und verspricht: „Dass ein Arzt in erreichbarer Nähe ist, wenn Sie ihn brauchen, dafür trete ich als Ministerpräsident an.“ Der Mann, der seit Januar 2026 das Land regiert und am 6. September wiedergewählt werden will, macht die medizinische Versorgung zum Wahlkampfthema. Nur: Die Realität hinter dem Slogan sieht aus wie eine langweilige Fortsetzung desselben CDU-Stücks, das man schon seit Jahren kennt. Schulze posiert als Retter der ländlichen Medizin – und die Zahlen zeigen, dass unter der bisherigen CDU-SPD-Regierung nichts Grundsätzliches passiert ist.Die Landarztquote: Hunderte springen ab, die CDU zählt weiter die Plätze
Die Landarztquote, das große Versprechen der vergangenen Jahre, läuft bundesweit schleppend. Mehr als 350 verpflichtete Studierende sind bereits abgesprungen. In mehreren Ländern laufen Dutzende Klagen gegen die 250.000-Euro-Vertragsstrafen. Junge Mediziner merken erst im Studium, dass sie lieber Chirurg oder etwas anderes werden wollen – und dann ist die Bindung plötzlich ein Problem. Sachsen-Anhalt hat die Quote zwar leicht aufgestockt, von 32 auf 36 Plätze ab dem Wintersemester. Das ist ungefähr so, als würde man bei einem brennenden Haus die Wasserhähne etwas weiter aufdrehen und hoffen, dass der Brand dadurch von selbst erlischt. Die Quote sollte die Dörfer retten. Stattdessen produziert sie Abbrecher, Gerichtsverfahren und leere Versprechungen.Burgenlandkreis: Großes Stipendium, null Ergebnis – und niemand redet darüber
Im Burgenlandkreis, wo rund ein Drittel der Hausärzte in den kommenden Jahren in den Ruhestand geht, hat man im Mai 2026 ein eigenes Landarztstipendium mit der Asklepios Klinik Weißenfels aus der Taufe gehoben. Vollstipendium, Teilstipendium, ein paar Tausend Euro im Jahr, Verpflichtung auf vier oder sechs Jahre – klingt nach Engagement. Bewerbungsfrist war der 30. Juni. Und seitdem? Stille. Keine Zahlen, keine Stipendiaten, keine Erfolgsmeldung. Man hat das Ding gestartet, die Pressemitteilungen rausgehauen und dann offenbar darauf gewartet, dass sich die Medizinstudenten von allein einfinden. Tun sie nicht. Oder zumindest nicht in einer Weise, die man öffentlich feiern könnte. Ein klassisches CDU-Muster: Ankündigen, Fördermittel verteilen, dann abwarten und hoffen.Andere Konzepte? Fehlanzeige – die Regierungsparteien bleiben beim alten Rezept
Sven Schulze und die CDU hätten in den letzten Jahren genug Zeit gehabt, echte Alternativen zu entwickeln. Mehr Studienplätze ohne die starre Quote. Attraktivere Arbeitsbedingungen in den ländlichen Praxen. Konsequente Förderung von Versorgungszentren. Bessere Integration ausländischer Ärzte. Digitale Unterstützung, die tatsächlich entlastet statt nur Powerpoint-Folien zu produzieren. Stattdessen bleibt es bei der altbekannten Mischung aus Quoten, Stipendien und Wahlkampfversprechen. Die Regierungsparteien hätten längst andere Konzepte vorlegen müssen. Sie haben es nicht getan. Während Schulze im Wahlkampf die Nähe zum Arzt beschwört, wächst die Lücke. Bis 2030 könnten sich die unbesetzten Stellen im Land verdoppeln – und die Antwort aus Magdeburg bleibt: mehr vom Gleichen.Das Ergebnis ist absehbar: Die Wege zum Arzt werden länger, die Wartezeiten größer, und die Menschen auf dem Land merken, dass die große politische Maschine vor allem damit beschäftigt ist, sich selbst zu beweihräuchern. Schulze kann auf den Plakaten so oft „gute Medizin überall im Land“ schreiben, wie er will. Solange die Studenten abspringen oder Programme im Nirgendwo versickern, bleibt es bei der Luftnummer. Die CDU mit ihren Koalitionspartnern kann es mal wieder nicht.
